Depositphotos_420568084_XL-1024x683 AdBlue Verwendung abschalten – Das sollten Sie über den Zusatz wissen!
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Auch wenn Plug-In-Hybriden und E-Autos Schritt für Schritt den Markt erobern, gelten Benzin- und Dieselmotor weiterhin als wichtige Brückentechnologien für die nächsten Jahre. Viele Dieselmotoren benötigen jedoch zur Erfüllung der Abgasnormen einen Stoff namens AdBlue. Dieser Zusatzstoff zur Abgasreinigung ist teuer und das zugehörige System verursacht verhältnismäßig viele Störungen. In diesem Ratgeber erfahren Sie Rechtliches und Wissenswertes rund um den Zusatzstoff, Symptome bei leerem AdBlue-Tank und wir erklären, wie Sie AdBlue sparen können.

Welche Funktion hat AdBlue im Auto?

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Moderne Dieselmotoren sind dank Dieselpartikelfilter (DPF) und Abgasrückführung deutlich umweltfreundlicher als ihre Vorgänger. Ihr Problem bleibt jedoch der recht hohe Ausstoß von Stickoxiden. Als Gegenmaßnahme wird AdBlue eingesetzt, eine Mischung hauptsächlich aus einem Harnstoff und destilliertem Wasser. Das Gemisch wird in den AdBlue-Tank eingefüllt, der oft in der Nähe des Kraftstofftanks liegt. Die Einfüllöffnung ist im Tankdeckel, im Kofferraum oder im Motorraum zu finden. Eine separate Tankanzeige informiert den Fahrer über den Füllstand.

Eine AdBlue-Pumpe pumpt den Zusatzstoff in Richtung des Abgassystems. Der Harnstoff wird nach dem Verbrennungsprozess beigemischt und sorgt für eine chemische Reaktion im speziellen SCR-Katalysator (selective catalytic reduction). Durch Reduktion werden die Stickoxide in Wasserdampf und Stickstoff umgewandelt. Der Schadstoffausstoß des Kfz wird damit reduziert und die Emissionswerte sinken um über 90 %.

Welche Kosten entstehen durch das zusätzliche Tanken von AdBlue?

Der Harnstoff kann an der Tankstelle getankt werden wie Kraftstoff. Alternativ ist auch der Kauf in Kanistern beispielsweise im Baumarkt oder Fachhandel möglich. Generell gilt: An der Tankstelle ist es im Verhältnis teurer.

Der Preis pro Liter AdBlue beträgt zwischen zwei und fünf Euro. Ja nach Auto liegt der Verbrauch zwischen 0,5 bis 2,5 Liter auf 1000 km. Damit ergeben sich Kosten von durchschnittlich ein bis zwölf Euro pro 1000 km. Wie beim Sprit sind auch die Preise für den Harnstoff in den letzten Jahren gestiegen. Viele Autofahrer erkennen daher die Notwendigkeit, den Verbrauch zu reduzieren.

Welche Nachteile hat die Verwendung des AdBlue im Auto?

Den positiven Folgen für die Abgaswerte stehen überwiegend finanzielle Nachteile für den Fahrer entgegen. Diese sind:

  • Harnstoff ist teuer
  • Wartungs- und Reparaturkosten für das AdBlue-System
  • höherer Kraftstoffverbrauch
  • Harnstoff muss wegen des Gefrierpunktes von 11,5 °C im Winter vorgeheizt werden
  • Probleme mit Lieferketten und Versorgung möglich
  • Funktionseinschränkungen bei AdBlue-Mangel möglich

Neben den Kosten für das Harnstoffgemisch selber kommen Zusatzkosten für den Betrieb, die Wartung und den Verschleiß der Anlage hinzu. Sind Teile der AdBlue-Anlage defekt oder verstopft, fährt das Auto nur noch im Notlauf und muss in die Werkstatt. Hier muss der Fahrer Kosten von meist mehreren Hundert Euro für Diagnose und Reparatur ausgeben.

Der chemische Aufbau von AdBlue bringt einige Nachteile mit sich. Der Stoff ist stark ätzend und muss daher immer umsichtig gelagert und eingefüllt werden. Durch den Gefrierpunkt von nur -11,5 °C müssen im Winter alle Teile der AdBlue-Anlage über ein Heizelement erwärmt werden, was zusätzlich Kraftstoff verbraucht.

Bekommt der Fahrer aufgrund von Lieferschwierigkeiten kein AdBlue, führt das zum Ausfall des Autos, obwohl der Motor technisch voll leistungsfähig ist. Kein Wunder also, dass sich Autofahrer vor einer ausverkauften AdBlue-Säule fragen, ob man das AdBlue-System nicht abschalten kann.

Was passiert, wenn kein AdBlue getankt wird?

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Die Anzeige für den AdBlue-Tank leert sich. Wenn der Füllstand zu niedrig ist, dann erscheint eine Warnung. Ab diesem Punkt muss der Fahrer mit Einschränkungen der Motorleistung rechnen. Einige Kfz reduzieren die Leistung auf den Notlauf. Bei vollständig leerem Tank ist überhaupt kein Motorstart mehr möglich.

Mit fast leerem AdBlue-Tank sollte das Auto nicht zur Hauptuntersuchung vorgestellt werden. Der Tüv hat das Problem, dass er die Abgasanlage nicht korrekt prüfen kann. In der Folge würde das Fahrzeug durch die AU durchfallen und erhält keine neue Plakette.

Welche Alternativen gibt es zu AdBlue im Auto?

Laut StVZO müssen alle Dieselmotoren, die mit einem AdBlue-System zur Abgasreinigung ausgestattet sind, auch dementsprechend betrieben werden. Änderungen wie das Abschalten des Systems sind unzulässig, da sie die Abgaswerte und damit die Luftqualität in der Umwelt verschlechtern.

Mit Maßnahmen wie dem Deaktivieren der Abgasrückführung (AGR) und dem Abschalten des AdBlue-Systems wollen manche Autofahrer Kraftstoff und Kosten sparen. Das AdBlue-System lässt sich mit einem AdBlue-Off-Modul beziehungsweise Emulator ausschalten. Das simuliert der Motorsteuerungssoftware einen gefüllten Tank und täuscht Software und Sensoren. Somit wird kein AdBlue mehr gebraucht, das Auto produziert jedoch aufgrund der ausgefallen Technologie deutlich mehr Emissionen.

Was ist ein AdBlue-Off-Modul?

„AdBlue-Off“ oder „SCR Off“ ist ein Sammelbegriff für Maßnahmen, die das AdBlue-System im Auto deaktivieren. AdBlue-Off muss verschiedene Funktionen erfüllen. Dazu zählen:

  • AdBlue Füllstand simulieren
  • Motorleistung erhalten
  • NOX-Sensor täuschen
  • Störungen im Kombiinstrument und Fehlerspeicher verhindern
  • CVN (Calibration Verification Number) imitieren, damit die Änderung auf den ersten Blick unsichtbar ist

Das Abschalten des AdBlue-Systems im Auto kann je nach Auto auf zwei Arten vorgenommen werden:

  1. Anpassung der Software im Motorsteuergerät
  2. zusätzliches Modul

Bei der ersten Variante wird meist das Steuergerät in eine Werkstatt gebracht oder eingeschickt. Hier wird dann am Computer die Software manipuliert. Diese Variante ist eine recht kostengünstige Lösung, für den Fahrer unterwegs aber irreversibel. Eine HU besteht das Auto mit diesem Umbau nicht, da es durch die Abgasuntersuchung durchfällt. Hierfür müsste wieder die korrekte Software installiert werden.

Die zweite Variante nutzt ein separates Modul beziehungsweise Relais. Es wird in die Elektronik des Autos eingebaut und ermöglicht die Umschaltung. Dies hat den Vorteil, dass der Fahrer das Modul mittels Schalter oder Sicherung OFF und ON schalten kann. Ein solches Fahrzeug könnte sogar die HU bei TÜV, KÜS, Dekra und GTÜ bestehen. In ausgeschaltetem Zustand läuft das Auto normal und würde auch bei der Abgasuntersuchung normale Werte zeigen. Gesetzlich verboten ist das Modul dennoch!

Welche Folgen hat die Verwendung eines AdBlue Emulators?

Die Manipulation der Motorsteuerungssoftware bringt mehrere überwiegend gesetzliche Folgen mit sich:

  • Bußgeld wegen Verlust der Betriebserlaubnis
  • Einschränkungen des Versicherungsschutzes
  • Verlust der Gewährleistung bei Motorschaden
  • sehr hohe Emissionswerte
  • Nichtbestehen der Hauptuntersuchung

Die Abschaltung des AdBlue führt zu mehr Stickoxiden im Abgas. Dadurch hält das Auto die zum Klimaschutz festgelegte Abgasnorm (meist Euro 6) nicht mehr ein. Die Missachtung der Abgasvorschriften schadet langfristig der Umwelt und Gesundheit aller Menschen.

Welche Strafen drohen bei Entdeckung eines AdBlue-Off-Moduls?

Die StVZO schreibt vor, dass Autos nur mit intaktem Abgassystem betrieben werden dürfen. Fällt die Manipulation der Motorsteuerung auf, müssen Autofahrer mit einem Bußgeld in mindestens dreistelliger Höhe rechnen. Dabei ist es unwichtig, ob die Veränderung durch eine Werkstatt oder nach Anleitung selber vorgenommen wurde.

Besonders während der Garantiephase ist es wichtig, alle Ratgeber zu lesen und Hinweise des Herstellers einzuhalten. Andernfalls kann die Gewährleistung ganz oder teilweise erlöschen. Kommt es zu einer Fehlfunktion im Rahmen der Gewährleistung und das AdBlue-System wurde manipuliert, kann es passieren, dass die Vertragswerkstatt eine Übernahme der Kosten verweigert. Bei einem Motorschaden geht es dabei oft um Kosten im fünfstelligen Bereich.

Durch das Erlöschen der Betriebserlaubnis besteht auch eine Gefahr für den Versicherungsschutz. Bei einem Schaden könnte die Versicherung darüber streiten, ob das Fahrzeug in diesem Zustand vollständig versichert ist.

Bei einem Leasingfahrzeug ist durch die Manipulation von Abgaswerten ebenfalls der Versicherungsschutz nicht mehr sichergestellt. Der Leasinggeber wird jede Chance nutzen, um die Kosten im Schadenfall auf den Fahrer abzuwälzen.

Was kostet ein AdBlue-Off-Modul?

Das Abschalten des AdBlue-Systems können Sie ohne spezielle technische Ausrüstung nicht selber vornehmen. Die Hersteller treffen hier verschiedene Vorkehrungen, um das System vor einfacher Manipulation zu schützen. Motorsteuerungssoftware beziehungsweise Modul müssen professionell umprogrammiert werden, um das AdBlue zu deaktivieren und die Änderung zu verstecken.

Verschiedene Werkstätten bieten die Abschaltung der AdBlue-Abgasreinigung für spezielle Zwecke an. Die Kosten für die Anpassung der Motorsteuerungssoftware liegen je nach Auto zwischen 100 und 300 €. Bedenken Sie aber, dass diese Änderung dennoch im Straßenverkehr unzulässig ist.

Wie kann ich legal AdBlue sparen?

Der Verbrauch von AdBlue hängt genau wie der Kraftstoffverbrauch vom Fahrstil ab. Mit einer vorausschauenden Fahrweise können Sie den Verbrauch des Harnstoffs um über 50 % senken. So sparen Sie Geld und tragen einen Teil zur Reduzierung von Autoemissionen bei. Eine Reihe wichtiger Tipps zum Sparen haben wir in diesem Ratgeber zusammengefasst.

Eine langfristige Alternative ist die Anschaffung eines Autos, das ohne AdBlue auskommt. Das betrifft alle Benzinmotoren, Hybriden und Elektroautos.

Haftungsausschluss

Unsere Ratgeber enthalten viele fachliche Informationen rund um das KFZ, die wir sorgfältig zusammengetragen haben. Diese Artikel können allerdings die Fachkenntnis eines Spezialisten nicht ersetzen. Autoteile-Markt haftet daher nicht für Schäden und Verletzungen, die durch unsachgemäß ausgeführte Reparaturen entstehen. Wir empfehlen grundsätzlich, Arbeiten am KFZ nur von einem Fachmann ausführen zu lassen.

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