Titelbild Zahnriemen – Wissenswertes, Diagnose und Anleitung zum selber wechseln
Zahnriemen am Motor
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Ihr Auto läuft sauber, laut Serviceanleitung Ihres Autos ist aber der Austausch des Zahnriemens an der Reihe? Dann sollten Sie diesen auch durchführen. Der Zahnriemen erfüllt eine wichtige Funktion und steuert die Ventile der Zylinder. Geht der Riemen kaputt, läuft der Motor nicht mehr und Sie müssen durch Folgeschäden weit mehr Teile tauschen. Unser Ratgeber enthält die wichtigsten Infos zum Zahnriemen sowie eine Einbauanleitung zum selber wechseln.

Zahnriemen – Aufbau und Funktion

Bild-2-Zahnriemen-Funktion Zahnriemen – Wissenswertes, Diagnose und Anleitung zum selber wechseln
Zahnriehmen funktion
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Der Zahnriemen, auch Steuerriemen genannt, ist im Motor des Autos verbaut und erfüllt eine wichtige Funktion. Er verbindet die Kurbelwelle mit den Nockenwellen. Die Nockenwellen wiederum haben die Aufgabe, die Ventile in den Zylindern zu steuern. Der Zahnriemen läuft unter hoher Spannung und überträgt die Rotationskraft der Kurbelwelle auf die Nockenwellen. Er ist also ein Bestandteil der Zylindersteuerung und trägt daher den Beinamen Steuerriemen. Damit er seine Funktion erfüllen kann, ist eine exakte Einstellung nötig.

Der Zahnriemen muss große Kräfte aufnehmen. Er besteht meist aus Gummi, Polyurethan oder Synthesekautschuk. In Längsrichtung wird Glasfaser oder Aramid eingearbeitet, um die Belastbarkeit und Lebensdauer zu steigern. Manche Zahnriemen erhalten noch eine zusätzliche Verstärkung durch ein Nylongewebe. Diese Stoffe besitzen eine lange Lebensdauer, aber der Zahnriemenwechsel ist unumgänglich. Einige vorwiegend neuere Autos besitzen anstelle eines Zahnriemens eine Steuerkette, die die gleiche Funktion erfüllt.

Bild-3-Zahnriemen Zahnriemen – Wissenswertes, Diagnose und Anleitung zum selber wechseln
Zahnriemen
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Symptome und Folgen eines verschlissenen Zahnriemens

Durch die mechanische Belastung und das Alter unterliegt der Zahnriemen einem Verschleiß. Er dehnt sich mit der Zeit um Nuancen aus und verliert an Spannung. Ist der Zahnriemen zu schwach und erst ein Mal „durchgerutscht“, kommt es zum sogenannten „Freiläufer“. Das bedeutet, dass sich der Bewegungsrhythmus der Kolben nicht mehr mit dem der Ventile identisch ist. Dadurch findet auch die Zündung zum falschen Zeitpunkt statt. Zur Hauptuntersuchung beim TÜV brauchen Sie dieses Auto nicht mehr vorzuführen. Außerdem besteht jederzeit die Gefahr, dass der Zahnriemen bei diesem Auto endgültig reißt und schwere Folgeschäden verursacht.

Die Folgen des übersprungenen Zahnriemens sind ein unruhiger Lauf und gestörtes Verhalten des Autos. Je nachdem, wie stark sich der Zündzeitpunkt verschiebt, treten die folgenden Symptome auf:

  • starker Rußbildung
  • ungewöhnlichen Gerüchen der Abgase
  • rapidem Leistungsverlust

Intervalle zum Zahnriemenwechsel

Der Zeitraum zum Wechseln des Zahnriemens wird vom Hersteller festgelegt und irgendwo zwischen 60.000 und 240.000 Kilometern angegeben. Ein Hinweis auf den letzten Zahnriemenwechsel findet sich entweder im Motorraum oder im Serviceheft des Autos. Die gefahrenen Kilometer sind jedoch nicht der einzige Anhaltspunkt. Bei Autos mit geringer jährlicher Laufleistung kann das Wechseln früher nötig sein, da der Riemen auch durch das Alter an Belastbarkeit verliert.

Beim Service des Autos nimmt der KFZ Fachmann eine kurze Sichtprüfung des Steuerriemens vor, um die verbleibende Lebensdauer und schleichende Defekte zu erkennen. Halten Sie die Intervalle für das Prüfen und Wechseln des Zahnriemens unbedingt ein! Ein gerissener Zahnriemen führt zum Motorschaden und sorgt dafür, dass Sie viele weitere Teile wechseln müssen.

Zahnriemenwechsel – Schritt für Schritt Ratgeber

Sie müssen bei Ihrem Auto den Zahnriemen wechseln? Versierte Mechaniker mit Technikverständnis können diese Arbeit selber erledigen. Beachten Sie lediglich, dass es sich hier um Arbeiten an wichtigen Komponenten des Motors handelt. Gehen Sie also mit großer Sorgfalt und höchster Präzision vor und kontaktieren Sie bei Fragen einen Fachmann.

Der Zahnriemenwechsel verursacht einen großen Arbeitsaufwand. Im diesem Zuge kommen Sie an einige Komponenten heran, die Sie zusammen mit dem Steuerriemen wechseln sollten. Dazu zählen insbesondere die Umlenkrollen für den Zahnriemen. In der Regel sollten Sie auch die Wasserpumpe mit erneuern. Diese „altert“ zusammen mit dem Steuerriemen und hält die Spannung des neuen Riemens nicht lange aus.

Kaufen Sie in jedem Fall ein komplettes Zahnriemen Kit für Ihr Auto zum Wechseln. Dieses enthält neben dem Zahnriemen auch neue Umlenkrolle, eine Spannrolle und die Wasserpumpe. Neben den Ersatzteilen brauchen Sie die folgenden Werkzeuge und Hilfsmittel:

  • Schlüsselsatz (Gabel, Ring)
  • Satz Steckschlüssel (verschiedene Größen, je nach Auto auch Spezialschlüssel)
  • Satz Innensechskantschlüssel
  • verschiedene Zangen
  • Tücher zum säubern und abdecken
  • Auffangbehälter für Kühlmittel

1. Vorbereitung – Zahnriemen lokalisieren

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Zahnriemen lokalisieren
©Foto: DmytroTomson/depositphotos.com

Zum Wechseln des Zahnriemens müssen Sie diesen im Auto finden. Bei den meisten Fahrzeugen ist er links oder rechts im Motorraum verbaut. Der Zahnriemen, die Spannrolle und Umlenkrolle werden allerdings von der großen Zahnriemenabdeckung verborgen. Suchen Sie nach der großen Abdeckung an der Motorseite.

Achtung: Lassen Sie in jedem Fall das Auto abkühlen, bevor Sie mit den Arbeiten im Motorraum beginnen. Es besteht sonst Verbrennungsgefahr! Außerdem sollten Sie den Zündschlüssel aus dem Zündschloss ziehen.

2. Platz schaffen und Abdeckung entfernen

Um den Zahnriemen zu wechseln, müssen Sie meist einige Teile ausbauen. Demontieren Sie die Dinge, die im Weg sind. Nutzen Sie die Möglichkeit und untersuchen Sie die Komponenten auf einen Defekt. Bauen Sie je nach Auto diese Teile aus:

  • Luftfilterkasten
  • Luftschlauch
  • Behälter für Kühlflüssigkeit
  • Keilriemen und Keilriemenspanner
  • weitere Abdeckungen
  • weitere Leitungen & Stecker, die den Zugriff blockieren

Sobald Sie genügend Platz haben, entfernen Sie die Abdeckung zum Tauschen des Zahnriemens. Diese ist mit einer oder mehreren Schrauben befestigt. Sie sollten darunter mehrere Zahnräder und Rollen sehen.

Achtung: Bei einigen Autos muss zum Wechseln des Zahnriemens ein Teil der Motorhalterung gelöst werden. Vorher müssen Sie unbedingt den Motor an einer Brücke aufhängen.

3. Grundstellung

Bild-5-OT-Markierung-Zahnriemen Zahnriemen – Wissenswertes, Diagnose und Anleitung zum selber wechseln
Zahnriemen in der Grundstellung markieren
©Foto: tuelekza/depositphotos.com

Vor dem Wechseln müssen Sie die Position des alten Zahnriemens markieren. Dazu muss sich der dem Zahnriemen nächstgelegene Zylinder in der obersten Totstellung (OT) befinden. Entfernen Sie Zündkerze des Zylinders und stecken Sie ein sauberes Werkzeug in die Öffnung. Nutzen Sie einen Schlüssel für die Kurbelwelle und drehen Sie diese, um den höchsten Punkt zu finden. Decken Sie nun das Kerzenloch mit einem Tuch ab, damit nichts hineinfällt.

Nehmen Sie den Stift zur Hand. Markieren Sie an Zahnrad und Zahnriemen die Stelle, an der der Zahnriemen auf die Zahnräder trifft. Suchen Sie eine Einkerbung an den Nockenwellenrädern, die auf die Stellung der Räder hinweist und markieren Sie Zahnrad und Bezugspunkt. Markieren Sie außerdem die Stellung der Kurbelwelle, auch hier ist eine Nase oder Einkerbung zu finden. Halten Sie alle Zahnradstellungen, Markierungen und den Verlauf des Zahnriemens mit mehreren Fotos fest. Diese Markierungen brauchen Sie später, um den neuen Riemen richtig einzuziehen.

Sie übertragen später die Stellung des Zahnriemens vom Altteil auf das Neuteil. Stimmen die Steuerzeiten beim alten Riemen, passt es auch beim Neuen. Von nun an sollten Sie jegliche Bewegungen an allen Zahnrädern vermeiden. Je mehr verstellt wird, umso mehr müssen Sie später nachjustieren.

4. Alten Riemen demontieren

Demontieren Sie die Riemenscheibe der Kurbelwelle. Achten Sie darauf, dass die Welle nach dem Lösen der Scheibe noch in der richtigen Position steht. Lösen Sie nun die Spannrolle. Dadurch sollte sich der Zahnriemen sichtbar entspannen. Nun können Sie den alten Riemen entfernen, indem Sie ihn seitlich von den Zahnrädern herunterziehen.

Bauen Sie nun die Spannrolle und Umlenkrolle vollständig ab. Diese Rollen sollten Sie mit tauschen, sie liegen dem Ersatz-Kit bei. Normalerweise sollten Sie die Wasserpumpe mit wechseln. Auch diese unterliegt einem Verschleiß und ist nur mit ausgebautem Zahnriemen erreichbar. Stellen Sie einen Auffangbehälter für das auslaufende Kühlmittel darunter und lösen Sie die Schrauben.

5. Ersatzteile wechseln und einbauen

Wechseln Sie vor dem Tauschen des Riemens die Wasserpumpe, Umlenkrolle und Spannrolle aus. Arbeiten Sie von unten nach oben, das vereinfacht die Handgriffe im unteren Bereich. Achten Sie bei der Dichtung der Wasserpumpe darauf, dass Sie alle Reste der alten Dichtung entfernen (z. B. abschleifen). Ziehen Sie die Spannrolle noch nicht fest, da Sie diese nach dem Tauschen noch zum Festspannen benötigen.

6. Zahnriemen tauschen

Nun fahren Sie mit dem Wechseln des Riemens fort. Schauen Sie den neuen Steuerriemen an, ob eine Laufrichtung aufgedruckt ist. Wenn nicht, ist die Richtung egal. Übertragen Sie die Markierungen vom alten Zahnriemen auf den neuen. Nutzen Sie die Anzahl der Zähne als Hilfe.

Legen Sie den Steuerriemen oben an den Nockenwellenrädern an. Es müssen zwingend alle Markierungen übereinstimmen, damit Zahnriemen und Zahnräder genau in der richtigen Position sind. Eine falsche Stellung der Räder führt schlimmstenfalls zu einem Motorschaden.

Legen Sie den Steuerriemen nun auf der Zugseite über die Umlenkrolle und die Kurbelwelle. Ziehen Sie den Zahnriemen dabei so straff wie möglich. Die Verzahnung der Kurbelwelle hält die Spannung aufrecht. Auf dieser Seite darf der Riemen kein Spiel haben.

Anschließend legen Sie den Zahnriemen auf der anderen Seite über die Spannrolle und die Wasserpumpe. Der Steuerriemen sollte nun so verlaufen wie der alte vorher. Kontrollieren Sie abschließend noch einmal alle Markierungen.

7. Zahnriemenspanner einstellen

Die Spannrolle besitzt einen Mechanismus, den Sie meist mit einem Innensechskantschlüssel betätigen müssen. Dadurch spannt sich der Zahnriemen auf der Seite mit der Wasserpumpe und Spannrolle. Die Markierungen an der Spannrolle zeigen den Bereich, in dem die Vorspannung bei 20 °C eingestellt wird. Bei höherer oder niedrigerer Temperatur müssen Sie dementsprechend eine höhere oder niedrigere Vorspannung einstellen. Halten Sie den Mechanismus und ziehen Sie gleichzeitig die Spannrolle fest. Achten Sie darauf, dass sich die Spannung beim Festziehen nicht verändert.

Der Zahnriemen sollte nun nach dem Wechseln auf beiden Seiten gut gespannt sein. Drehen Sie so lange an der Kurbelwelle, bis der Zahnriemen eine volle Runde gelaufen ist. Prüfen Sie nochmals alle Markierungen und die Spannung.

8. Zusammenbau und Testlauf

Bild-6-Ansicht-montierter-Zahnriemenverlauf Zahnriemen – Wissenswertes, Diagnose und Anleitung zum selber wechseln
©Foto: Baloncici/depositphotos.com

Das Wechseln ist abgeschlossen. Montieren Sie die Riemenscheibe, setzen Sie die Zündkerze wieder ein und füllen Sie das ausgelaufene Kühlmittel wieder auf. Anschließend starten Sie den Motor. Achten Sie auf die Laufgeräusche. Alles in Ordnung? Dann war das Tauschen des Zahnriemens erfolgreich.

9. Montage übriger Teile und Testfahrt

Nach dem Tauschen der Teile stellen Sie den Zustand des Autos wieder her. Setzen Sie die Abdeckung auf, montieren und spannen Sie den Keilriemen und setzen Sie alle anderen Teile wieder ein.

Nach dem Wechseln müssen Sie noch das Kühlsystem entlüften. Lassen Sie dazu das Auto warmlaufen und stellen Sie währenddessen Heizung und Gebläse an. Machen Sie eine kleine Testfahrt von 10 oder 15 Minuten. Anschließend lassen Sie den Motor ein wenig abkühlen und kontrollieren noch einmal den Kühlmittelstand. Nun ist das Wechseln endgültig abgeschlossen und Ihr Auto hat wieder freie Fahrt!

Zahnriemen selber wechseln – Diese Kosten fallen an

Ein Zahnriemenwechsel verursacht hohe Kosten. Mit dem Wechseln des Zahnriemens nach unserem Ratgeber können Sie viel Geld sparen. Die Materialkosten für das Zahnriemen Kit zum Wechseln betragen meist zwischen 100 und 250 €. Die Arbeitszeit für das selber Tauschen und Einstellen beträgt in der Regel mehrere Stunden.

Kosten beim Zahnriemen in der Werkstatt wechseln lassen

Wenn Sie sich den Zahnriemenwechsel nicht zutrauen, können Sie das Tauschen natürlich auch in der Werkstatt vornehmen lassen. Hier müssen Sie jedoch mit deutlich höheren Kosten rechnen, da sich der große Aufwand in der Arbeitszeit niederschlägt. Die Gesamtkosten bewegen sich im Bereich zwischen 500 und 1000 €.

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