Striking-and-Sophisticated_6_tcm93-310931_desktop_1366x769-300x169 Jaguar hat sein erstes Elektroauto - JAGUAR I-PACE CONCEPT

Jaguar I-Pace Concept
Foto: Jaguar / media.jaguar.com

Jetzt wollen auch die Briten mit dem Jaguar i-Pace Concept auf dem Markt der Elektroautos mitmischen und gegen das Tesla Model X antreten. Die Weltpremiere war am 18.11.2016 auf der L.A. Auto Show in Los Angeles. Spektakulär wurde den Premierengästen der neue i-Pace vorgestellt.

Virtual Reality auf der L.A. Auto Show

In einem leeren Raum, in absoluter Dunkelheit, konnten die Gäste mit VR-Brillen die ersten Bilder des futuristisch anmutenden Elektro-SUV in Virtual Reality sehen. Nach der Show ist vor der Show. Als der virtuelle Zauber vorbei war und das Licht anging, stand plötzlich der neue Jaguar i-Pace zum Anfassen da. Chefdesigner Ian Callum beendete die Show mit den Worten: „Unsere Zukunft beginnt hier und heute.“

Für Jaguar wurde der Schritt in die Elektromobilität höchste Zeit. Fast alle anderen Fahrzeugbauer haben schon früh akzeptiert, dass Zero-Emissions-Fahrzeuge die Zukunft prägen werden.  Bis zum heutigen Zeitpunkt haben die Briten immer mit dem Akku-Antrieb gefremdelt.

Die Eckdaten beeindrucken

In der Vergangenheit waren nur bei Land-Rover ein enttäuschender Diesel-Hybrid und ein paar Forschungsfahrzeuge zu sehen.  Doch die aktuellen Eckdaten des Jaguar I-Pace Concept sind beeindruckend. 400 PS und eine Reichweite von 500 Kilometern sind zum Erfolg verdammt. Jaguar will mit das neue Concept Car schon Ende 2017 als Serienversion vorstellen und 2018 soll es dann in den Handel kommen. Ian Callun sagt dazu: „Wir wollen uns mit dem i-Pace an die Spitze der Bewegung setzten.“ Hierzu hat Jaguar alle bisherigen Designs und Konstruktionskonzepte beiseitegelegt und auf einem weißen Blatt von null begonnen. Dies gilt nicht nur für das Design, sondern auch für die neue Technik.

Was steckt unter der Haube des Jaguars I-Pace Concept

Völlig neue Techniken sind es dann aber doch nicht. Der Entwurf unter der Haube folgt den auf dem Markt gängigen Elektromodellen und ist da schon als Standard etabliert. Die Batterie, die aus 36 Modulen mit jeweils 12  flüssigkeitsgekühlten 90-kWh-Lithium-Ionen-Folienzellen besteht, befindet sich am Wagenboden in einem flachen Gehäuse aus Aluminium. Die Motoren für den Antrieb sind direkt in der Vorder- und Hinterachse integriert und bringen jeweils 200 PS und 350 Nm mit einem elektrischen Allradantrieb auf die Straße.

Durch diese Bauweise ist somit viel Platz im Innenraum geschaffen worden. Obwohl der i-Pace mit seinen 4,68 Metern kürzer ist als der F-Pace, bietet er für die Insassen mehr Platz als in einem Range Rover. Für ein Elektroauto ist die technische Konstruktion zwar herkömmlich, aber das Design ist absolut gelungen und hat überrascht. Inspiriert vom C-X75 aus dem aktuellen James-Bond-Streifen, haben die Designer eine spannende und von den anderen Herstellern abgrenzende und futuristische Form gefunden. Ian Callum nennt den Stil „Cab-Forward-Design“.  Ungewöhnlich sind die kurze Schnauze und die Position der Scheibe, die somit weit nach vorne rückt. Andere Hersteller wie Mercedes mit dem EQ oder Tesla mit dem Model X haben das Anderssein leider nicht in vollen Umfang geschafft.

Jaguar I-Pace Concept war eine Überraschung

Der i-Pace kommt für viele überraschend, galten Jaguar und das Schwesterunternehmen Land Rover doch für Liebhaber von tonnenschweren, PS-starken und durstigen Vorstadtpanzern. Zwar haben Fahrzeuge wie der aktuelle Range Rover und der Jaguar FX durch die Aluminiumkarosserien viel an Gewicht verloren und die neuen Motoren mit den Vier- und Sechszylindern gelten als relativ sparsam, doch kein anderer Automobilhersteller hält unbeirrt an den sündigen Fünf-Liter-V8-Motoren mit 575 PS fest und verkauft so viele schwere Autos wie den über 2.500 Kilo schweren Range Rover. Bislang sind die Briten damit gut gefahren und haben seit 2009 Ihren Umsatz mehr als verdoppelt.

Doch der Erfolg wird nun zum Problem, sagt der Analyst Tom Sieber, der als Strategieberater Berylls in München tätig ist. Galten die Briten in der Vergangenheit noch als Kleinserienproduzent mit unter 300.000 verkauften Autos im Jahr und unterlagen somit höheren Grenzwerten, so können Jaguar und Land Rover sich zukünftig nicht mehr auf den Status als Kleinserienproduzent ausruhen. So müssen bis spätestens 2020 die gleichen CO2-Ziele der EU von 95 bzw. 105 g/Km eingehalten und nach den gleichen Regeln gespielt werden wie die großen Automobilhersteller BMW, VW oder Mercedes. Dies kann bei einem Flottenverbrauch von um die 200 g/km recht schwer für Jaguar und Land Rover werden. Beiden fehlen im Vergleich zu den anderen Herstellern die Kleinfahrzeuge, wie zum Beispiel die A-Klasse oder der Smart. Bei den Briten fängt die Modellpalette erst bei der gehobenen Mittelklasse an. Hier sind die Autos zu groß und zu schwer, um die CO2-Ziele der EU einzuhalten. Des Weiteren sind die Kunden von Jaguar und Co. Fahrer, die es sportlich und schnell lieben und eher einen V6- und V8-Motor bestellen als einen sparsamer Vierzylinder-Diesel. Dies ist natürlich im ersten Schritt gut für die Bilanz, aber für die Zukunft kann dies teuer werden.

Die Elektrifizierung der einzige Weg

Der Einstieg in die Elektrifizierung der Autos ist daher für Jaguar und Land Rover mit dem i-Pace Concept der einzige Weg. Es ist eine enorme wirtschaftliche Herausforderung für einen Hersteller mit einer halben Million Autos im Jahr, doch wird es sicherlich billiger sein, als von Brüssel mit einer Millionenstrafe oder von den großen Vertriebsländern wie den USA oder China mit Sanktionen belegt zu werden.

So wird das Ladekabel des Jaguar i-Pace sicherlich der rote Faden für die Entwicklung in der Zukunft sein und evtl. auch die Rettungsleine, um am Markt zu überleben.