Titelbild-Kotfluegel-Auto-erneuern-wechseln Kotflügel Ratgeber – Kosten und Anleitung zum selber wechseln
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Kotflügel, Radkasten, Räder und Motorhaube des Autos sind bei jeder Fahrt großen Belastungen ausgesetzt. Die Karosserie muss mechanischen, chemischen und thermischen Einflüssen standhalten. Das führt zu langsamem Verschleiß. Wir verraten in diesem Ratgeber wissenswertes zur Diagnose des Kotflügels und erklären, wie Sie diesen am Auto selber wechseln.

Aufbau und Funktion des Kotflügels

Der Kotflügel wird wie Stoßstange, Radkasten (auch Radhaus) und Kühlergrill am Rahmen des Autos befestigt. Die seitlich angebrachten Teile der Karosserie befinden sich auf allen Achsen oberhalb der Räder. Bei den meisten KFZ ist unsichtbar im Radhaus noch ein zweites Teil verbaut, das sich Innenkotflügel oder Radhausschale nennt.

Die Namensherkunft leitet sich aus zwei Dingen ab:

  • Der Name stammt aus der Zeit, als Fahrzeuge (Kutschen) von den Straßen noch großen Mengen an Schmutz und Kot aufwirbelten.
  • Bei Kutschen und sehr alten Autos hatte das Teil eine flügelartige Form. Diese ist heute nicht mehr überall zu erkennen.

Die Funktion der Kotflügel hat nichts mit der Statik des Autos zu tun. Sie schützen die Umgebung, das Innere des Autos und die Technik vor aufgewirbeltem Wasser und Schmutz aus dem Bereich der Reifen. Das bedeutet im Gegenzug: Diese Teile des Autos werden abhängig von der Witterung besonders stark belastet.

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Wodurch verschleißen Karosserieteile am Auto?

Räder wirbeln allerhand Dreck, Splitt, Wasser und im Winter Streusalz von der Straße auf. Unabhängig von der angetriebenen Achse prallen diese Dinge mit hoher Geschwindigkeit gegen das Radhaus und andere Teile der Karosserie. Splitt und Steine verursachen oberflächliche und tiefere Schäden. Symptome von Verschleiß sind tiefe Kratzer, Einschläge und später auch Rost.

Ein weiterer häufiger Grund für beschädigte Teile der Karosserie ist ein Unfall. Enge Parkhäuser und schmale Seitenstraßen erhöhen die Gefahr der Kollision mit anderen Autos oder Gebäuden. Die Stoßfänger und Teile im Bereich der Räder sind hier besonders gefährdet. Durch eine Kollision entstehen meist tiefe Schäden, durch die das Auto zu rosten beginnt.

Sollte ich Teile der Karosserie beim Auto reparieren oder wechseln?

Eine Reparatur von Karosserieteilen ist grundsätzlich möglich, aber sehr aufwändig. Arbeiten wie Ausbeulen, Spachteln und Schweißen an der Karosserie sollten nicht von Laien ohne Fachkenntnis erledigt werden. Durch die verschiedenen Belastungen halten provisorische Reparaturen nicht lange. Außerdem sind meist nicht alle Roststellen sichtbar, sodass es kurz nach der Reparatur unter der Oberfläche weiterrosten kann.

In den meisten Fällen ist der Austausch die bessere Möglichkeit. Das Wechseln eines Kotflügels dauert nicht lange und lässt sich in nahezu jeder Werkstatt erledigen. Das Austauschteil besitzt dann wieder die volle Funktionsfähigkeit und ist deutlich langlebiger als ein gespachteltes Teil. Eventuell fällt das Lackieren des neuen Teils an, aber selbst das ist schnell selber erledigt.

Wann sollte ich einen kaputten Kotflügel tauschen?

Die Diagnose wird einfach mit einer Sichtprüfung durchgeführt. Untersuchen Sie die Karosserie im Bereich der Räder auf Beulen, Rost und andere Defekte. Der Defekt macht sich häufig zuerst innen im Radhaus bemerkbar.

Ist der Flügel komplett verrostet, durch einen Unfall verbeult oder anderweitig verschlissen, sollten Sie ihn erneuern. Es kommt sonst auch zu gesetzlichen Problemen. Bei der Hauptuntersuchung beim TÜV beispielsweise kriegt das KFZ keine Plakette. Außerdem können Folgeschäden auftreten, wenn Wasser und Schmutz durch die Reifen in die empfindliche Technik des Autos geschleudert werden.

Worauf muss ich beim Kauf von Karosserieteilen achten?

Kotflügel müssen eine hohe Materialqualität aufweisen. Durch die Größe und die vielen Befestigungen ist die Passgenauigkeit sehr wichtig. Kleine Abweichungen verursachen große Probleme bei der Montage. Manchmal lassen sich diese Abweichungen nachbearbeiten, eventuell ist die Montage auch überhaupt nicht möglich.

Die originalen Teile vom Hersteller bieten diese Passgenauigkeit in jedem Fall. Es gibt auch günstigere Nachbauten in Erstausrüsterqualität, die die gleiche Qualität und Sicherheit bieten. Vergleichen Sie die Teilenummern, um sicherzustellen, dass das Ersatzteil der gewünschten Markenqualität gerecht wird.

Achten Sie auch darauf, dass Sie das richtige Teil für die entsprechende Position kaufen. Meist unterscheiden sich Kotflügel links und rechts sowie vorn und hinten. Den Hinweis auf die Einbauposition finden Sie in der Artikelbeschreibung.

Vorteile von Neuteilen und Gebrauchtteilen

Beim Wechseln können Sie zwischen Neuteilen und Gebrauchtteilen wählen. Diese haben verschiedene Vorteile und Nachteile. Neue Teile gibt es original direkt vom Hersteller des Autos oder als Nachbau. Die Eigenschaften eines neuen Teils sind:

  • Teile vom Hersteller sind passgenau, aber sehr teuer
  • Meist Unterschied zum restlichen Auto sichtbar (Farbunterschied durch Alterung)
  • Bei billigen, nicht genormten Blechteilen (ohne OE-Nummer) oft Ungenauigkeiten bei Bohrungen, Schrauben, Spaltmaßen

Gebrauchte Kotflügel und andere Karosserieteile gibt es beispielsweise vom Autoverwerter. Die Eigenschaften beim Kauf in gebraucht sind:

  • viel billiger als Neuteile
  • Zustand nicht immer neuwertig
  • weniger Unterschied zum Zustand des restlichen Autos
  • in der Regel sehr passgenau, da vorher schon am gleichen Modell montiert

Wo finde ich den Farbcode beim Auto?

Nach dem Tauschen müssen Sie noch die richtige Farbe finden. Jede Farbe hat einen eigenen Farbcode, über den sie sich nach langer Zeit noch identifizieren lässt. Das Format unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller. Beispiele sind LD5D am VW Golf für das sogenannte Chagallblau oder BMW A07 für das Mysticblau Metallic.

Den Farbcode finden Sie in der Betriebsanleitung, im Serviceheft, über die Fahrgestellnummer oder durch einen Aufkleber im Kofferraum. Falls Sie den Code nicht finden, können Sie auch den Vertragshändler kontaktieren.

Viele Karosserieteile inklusive den Flügeln werden ab Werk in schwarz ausgeliefert. Diese benötigen dann eine Grundierung und Lackierung. Die richtigen Farben finden Sie ebenfalls über den oben beschriebenen Farbcode.

Achtung: Bei neu lackierten Teilen an älteren Autos sind trotz des richtigen Farbcodes oft Farbunterschiede sichtbar, da die Farbe über die Jahre ausbleicht. Wenn Sie dies wünschen, lassen sich diese Unterschiede mit viel Zeitaufwand und Polierarbeit beseitigen.

Kotflügeltausch – Schritt für Schritt Ratgeber

Ihr Kotflügel ist verrostet oder beschädigt? Dann wechseln Sie ihn selber und sparen Sie Geld. Diese Arbeit lässt sich in nahezu jeder Werkstatt erledigen und verursacht zuhause nur einen Bruchteil der Kosten im Gegensatz zur Werkstattreparatur.

Zum Wechseln nach unserer Einbauanleitung benötigen Sie folgende Werkzeuge und Hilfsmittel:

  • Hebebühne oder Grube
  • Satz Steckschlüssel
  • Satz Schraubendreher
  • Drehmomentschlüssel
  • Zange
  • Je nach Auto: evtl. spezielle Clip-Heber

1. Vorbereitung

Die Schrauben und Clips sind oft an Stellen verbaut, die während der Fahrt stark verschmutzt werden. Führen Sie daher vor dem Wechseln des Kotflügels eine grobe Reinigung durch. Stellen Sie das Auto an einem gut beleuchteten Ort ab, da Sie an mehreren Stellen und im Radhaus arbeiten müssen.

Bereiten Sie eine Hebemöglichkeit für das Rad vor, dessen Flügel Sie tauschen wollen. Zusätzlich sollten Sie jetzt schon die Radschrauben oder Radmuttern lockern, aber nicht komplett abschrauben. Außerdem hilft es, beispielsweise auf einem Tisch genügend Platz freihalten, um die Kleinteile in der richtigen Reihenfolge abzulegen. Das erleichtert später den Zusammenbau.

2. Kühlergrill und Stoßfänger entfernen

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©Foto: Phantom1311/depositphotos.com

Als erstes demontieren Sie nun den Kühlergrill. Dafür öffnen Sie die Motorhaube und suchen Sie die Schrauben. Diese sind meist gut sichtbar innerhalb des Motorraums zu finden. Häufig befinden sich an der Innenseite noch ein paar Clips, die Sie ertasten können. Dies tritt beispielsweise häufig bei VW auf.

Nun müssen Sie zum Wechseln die Stoßstange abbauen. Auch diese ist mit Schrauben im Motorraum befestigt. Zusätzlich ist sie im Bereich des Radkastens verschraubt oder geclipst. Diese Schrauben oder Clips müssen Sie suchen und lösen. Passen Sie beim Abnehmen des Stoßfängers auf, dass Sie keine Sensoren oder Leitungen beschädigen.

3. Rad abbauen

Vergewissern Sie sich, dass das angehobene Auto einen festen Stand hat. Nun demontieren Sie noch das betreffende Rad, dessen Kotflügel Sie tauschen wollen. Lösen Sie hierzu die Radmuttern oder Schrauben und ziehen Sie das Rad ab.

4. Radhausschale demontieren

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©Foto: AleksandrKondratov/depositphotos.com

Die Radhausschale muss zum Wechseln abgebaut werden. Sie ist mit mehreren Schrauben, Clips oder einer Kombination aus beiden befestigt. Suchen Sie diese Befestigungspunkte kreisrund im Radkasten. Die Reinigung im ersten Schritt hilft bei der Suche, da Sie in einem verschmutzten Radhaus kaum alle Schrauben finden würden.

Lösen Sie all diese Befestigungen und heben Sie die Schrauben gut auf. Nutzen Sie dafür am besten ein Handwerkzeug. Ein Akkuschrauber erhöht die Gefahr, dass Sie eine Schraube rund drehen und diese nur noch unter großer Anstrengung ausbauen können. Eventuell befinden sich noch kleine Abdeckungen im Radhaus, die Sie ebenfalls demontieren müssen.

5. Scheinwerfer ausbauen

Dieser Schritt ist nicht bei allen Autos nötig, aber bei sehr vielen. Oftmals verstecken sich Schrauben unter dem Scheinwerfer, der dafür ausgebaut werden muss.

In der Regel ist der Scheinwerfer an mehreren Stellen verschraubt. Typische Stellen sind oben innerhalb des Motorraums, unter dem Kühlergrill und hinter der Stoßstange. Den Kühlergrill und Stoßfänger haben Sie ja bereits demontiert und sollten daher alle Schrauben problemlos lösen können.

6. Kotflügel demontieren

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Nun geht’s ans Tauschen des eigentlichen Kotflügels. Eventuell sind Leitungen für den Blinker oder Sensoren an der Innenseite befestigt. Lösen Sie diese und merken Sie sich den Verlauf.

Die Schrauben zur Befestigung des Flügels befinden sich überwiegend im Radkasten. An folgenden Orten befinden sich je nach Auto weitere Befestigungspunkte:

  • unter dem Stoßfänger
  • im Motorraum
  • unter dem Seitenschweller
  • in Richtung Tür

Merken Sie sich diese Positionen gut, damit Sie später alle Befestigungen wiederfinden. Wenn möglich, machen Sie aussagekräftige Fotos. Heben Sie außerdem alle Schrauben so auf, dass Sie diese später wieder zuordnen können, denn diese müssen nicht alle gleich groß sein.

7. Neuen Kotflügel einbauen

Nun tauschen Sie alt gegen neu. Im Idealfall sollte der neue Kotflügel an allen Stellen passen. Setzen Sie erst alle Schrauben wieder an und ziehen Sie diese dann mit dem richtigen Drehmoment fest.

Minimale Abweichungen sind okay, wenn Sie ein so großes Teil der Karosserie tauschen. Große Maßdifferenzen jedoch stellen ein Probolem dar. Wenn das Ersatzteil trotz richtiger OE-Nummer überhaupt nicht passt, sollten Sie einen Fachmann kontaktieren. Hier gibt es zwei mögliche Ursachen:

  • Das Ersatzteil ist schlecht produziert.
  • Der Rahmen des Autos ist verzogen.

8. Zusammenbau

Montieren Sie nun alle anderen Teile wieder an der richtigen Stelle. Gehen Sie beim Zusammenbau nun in umgekehrter Reihenfolge vor wie bei der Demontage. Hier hilft die richtige Reihenfolge der Kleinteile. Montieren Sie also alle Teile, die Sie vorher demontiert haben:

  • Seitenschweller
  • Scheinwerfer
  • Radhausschale
  • Stoßfänger
  • Kühlergrill

Einstellen beziehungsweise Justieren ist normalerweise an keinem dieser Teile nötig. Sobald Sie alles wieder in den Ausgangszustand versetzt haben, ist das Wechseln des Kotflügels erfolgreich abgeschlossen.

Kotflügel selber wechseln – Kosten und Aufwand

Bei den meisten Fahrzeugen können Sie das Wechseln selber übernehmen. Für ein neues Ersatzteil fallen durchschnittlich Kosten zwischen 50 und 200 € an. Für Grundierung und Lack fallen nochmal etwa 15 bis 40 € an.

Falls Sie die Reparatur noch preiswerter ausführen wollen, können Sie auch ein Gebrauchtteil aus der Autoverwertung kaufen. Wenn Sie ein Teil in genau der gleichen Farbe finden, wird das optisch sogar besser aussehen zum Auto passen als ein Neuteil.

Kotflügel in der Werkstatt tauschen lassen

Sie können das Wechseln auch eine Autowerkstatt übernehmen lassen. Hier kommen aber deutlich höhere Kosten auf Sie zu. Rechnen Sie für Lackieren und Tauschen mit Gesamtkosten zwischen 250 und 600 €.

Beim Vertragshändler sind häufig noch höhere Preise fällig, da dieser nur Originalteile zu sehr hohen Einkaufspreisen verbaut. Je nach Marke und Modell kostet hier das Ersatzteil allein 300 bis 1000 € plus Werkstattkosten.

Haftungsausschluss

Unsere Ratgeber enthalten viele fachliche Informationen rund um das KFZ, die wir sorgfältig zusammengetragen haben. Diese Artikel können allerdings die Fachkenntnis eines Spezialisten nicht ersetzen. Autoteile-Markt haftet daher nicht für Schäden und Verletzungen, die durch unsachgemäß ausgeführte Reparaturen entstehen. Wir empfehlen grundsätzlich, Arbeiten am KFZ nur von einem Fachmann ausführen zu lassen.

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