30180-1-MysteryMoe-Pixabay-300x150 Ford F-Series: Ein Portrait der Pickup-Legende

Seltenheitswert: Dieser 1957er F ist nicht nur sowieso selten, sondern hat auch den begehrten Allradantrieb.

Beim Stichwort Oldtimer aus den USA haben deutsche Fans meist sportliche Klassiker vom Schlage eines Ford Mustang vor dem inneren Auge. Für den folgenden Artikel möchten wir jedoch eine andere Art US-Oldtimer vorstellen, die Ford-F-Serie. Amerikanisch wie Apfelkuchen, kernig wie ein Cowboy und jeder, der sich in ein Modell setzt, sieht sich automatisch an einem endlos langen Weidenzaun entlangfahren, immer dem Sonnenuntergang entgegen.

F ohne Ende

Eine typische Quizfrage: „Welches ist das meistproduzierte Fahrzeug der Welt?“. Kenner können darauf mit „Toyota Corolla“ antworten. Doch knifflig wird es beim zweitmeistproduzierten Fahrzeug – die Ford-F-Serie mit über 35 Millionen Exemplaren.

Diese Erfolgsgeschichte begann 1948. Da brachte Ford den F1. Das erste Mal, dass für ein Lastauto dieser Größe keine PKW-Basis verwendet wurde. Der Wagen wurde bei allen, die viel zu transportieren hatten, ein voller Erfolg. Denn der F war nicht nur brandneu, sondern bot auch einen für diese Fahrzeugklasse ungekannten Luxus wie Fußpumpen-betriebene Scheibenwaschanlage und Sonnenblenden zu einem erschwinglichen Preis. Und auch wenn mittlerweile die 13. Generation der Trucks anliegt, blieb dieses Geheimrezept gleich.

  • Generation 1948-1952
  • Generation 1953-1956
  • Generation 1957-1960
  • Generation 1961-1966
  • Generation 1967-1972
  • Generation 1973-1979
  • Generation 1980-1986
  • Generation 1987-1991
  • Generation 1992-1997
  • Generation 1997-2003
  • Generation 2004-2008
  • Generation 2009-2014
  • Generation 2015-…

Interessant für den deutschen Oldtimer-Status sind somit aktuell die ersten Fahrzeuge der 8. Generation sowie vorherige. Allerdings sind gerade die ersten beiden Generationen ob ihres kultigen Äußeren heiß begehrt und dementsprechend wertvoll. Eine Oldtimer-Versicherung (z.B. bei Hiscox) sei daher dringend angeraten, vor allem weil hier Wertsteigerungen mitversichert sind.

F für alle

Was die F-Serie besonders machte, war die Aufteilung. Für jede Belastung gibt es eine eigene Unterbaureihe, deren Bezeichnung zumindest anfangs der Zuladung entsprach:

  • F100: ½ Tonne
  • F250: ¾ Tonne
  • F350: 1 Tonne

Allerdings wuchs die Leistungsfähigkeit von Generation zu Generation, sodass die tatsächliche Zuladung immer höher wurde – die aktuelle F-150-Generation darf beispielsweise satte 1500 Kilo laden. 1975 führte Ford als Zwischenglied den F-150 ein, 1983 wurde der F-100 dafür eingestellt. Und bis in die späten 90er waren die Modelle rein äußerlich nicht voneinander zu unterscheiden, ein 1967er F100 unterscheidet sich somit nicht sichtbar von einem 1967er F350.

30180-2-ArtisticOperations-Pixabay-300x200 Ford F-Series: Ein Portrait der Pickup-Legende

Im Lauf der Jahrzehnte wuchs der F gehörig. Heutige Modelle sind gut 1 ½ mal so groß wie die ersten Generationen.

F für Deutschland

Bei so riesigen Produktionszahlen verwundert es nicht, dass sich auch auf dem deutschen Markt eine große Menge an F-Pickups tummelt. Doch bei welchem Modell sollten Oldie-Fans ansetzen? Es kommt darauf an, in welche Richtung man denkt.

Wer ein echtes Nutzfahrzeug sucht, das eben „auch“ Oldtimer-Status hat, sollte die 8. und 7. Generation anpeilen. Hier gab es mit den legendären 7,3- und 6,9-Motoren die ersten Serien-Diesel sowie durchgängig elektronische Benzin-Einspritzanlagen, die den Durst zumindest in etwas humanere Bahnen lenken – bei ansprechender Power.

Wer coolen Retro-Look sucht ohne allzu sehr auf moderne Features zu verzichten, wird mit der 6. und 5. Generation froh. Bei ersterer setzte Ford großflächig galvanisierte Bleche ein, sodass Rost kaum ein Thema ist. Zudem ist die Ersatzteilversorgung erstklassig. Nachteil: Die Motoren besitzen durstige Vergaser.

Wer vollständiges Oldie-Feeling möchte, findet es bei allen Generationen vor der 5. Allerdings sind diese Fahrzeuge ob ihres Alters nicht nur seltener zu finden, sondern müssen ob der schlechter werdenden Ersatzteillage mehr geschont werden.  Zudem muss klar sein, dass hier viele Features der späteren Generationen nicht inkludiert sind – Bremskraftverstärker etwa wurden erst Ende der 70er serienmäßig verbaut. 

F wie V8

Natürlich hat Fords Zugmaschine auch andere Motoren. Reihensechszylinder waren in den ersten F-Generationen Basis und selbst heute gibt es bärenstarke V6-Motoren. Allerdings sei zumindest dem deutschen Käufer angeraten, absolut nur auf den V8 zu setzen. Das hat schon alleine wirtschaftliche Gründe auf dem deutschen Markt: Als „echter Ami“ gilt hier nur ein Fahrzeug, unter dessen Haube der satte Klang von acht Zylindern blubbert. Sechszylinder sind, obwohl vielleicht besser gepflegt, schon wegen dieses „Mankos“ weniger wert.

30180-Prince_Harming-Pixabay-300x225 Ford F-Series: Ein Portrait der Pickup-Legende

Die ersten beiden Generationen sind die in Deutschland gesuchtesten aber auch teuersten. Hier ein F von 1955.

Der zweite Grund ist natürlich subjektiv, aber besagtes Blubbern gehört eben zum Truck-Gefühl dazu, wie die durchgehende Sitzbank, Country-Musik und das Betrachten des Sonnenuntergangs von der heruntergeklappten Heckklappe aus.

F und Four-wheel-drive

Schon von der ersten Generation an wurde die Notwendigkeit gesehen, den Pickup auch in schlechterem Gelände einsetzen zu können – vor allem in den ländlichen Regionen der USA keine Seltenheit. Doch aus dieser Tatsache heraus ergeben sich auch Schwierigkeiten für deutsche Interessenten: Bis 1959 wurden alle Allrad-Trucks nachträglich durch Drittanbieter auf diesen Status umgebaut. Die Ersatzteillage für diese Modelle ist daher selbst im Heimatland bestenfalls knifflig.

Erst danach stattete Ford seine Trucks schon ab Werk mit der 4×4-Option aus. Ein weiteres Problem: die kommenden Allrad-Modelle waren bis in die 70er permanent, die Vorderachse ließ sich also nicht vom Antriebsstrang lösen. Das wiederum wirkt sich nachhaltig negativ auf den Spritverbrauch aus, der bei den Prä-1980er-Modellen ja sowieso schon sehr schlecht ist. Ergo: Wer den Allradantrieb nicht wirklich benötigt, sollte ein Modell ohne besorgen – das eliminiert zudem auch eine Fehlerquelle.

F wie Verbrauch

Egal welches F-Modell man besitzt, irgendwer wird früher oder später nach dem Verbrauch fragen. Das kann man entweder nonchalant übergehen und als Statement nutzen. Oder man kann ehrlich sein. Natürlich hängt der Verbrauch vom Gasfuß, dem Zustand des Motors und vor allem der korrekten Vergasereinstellung ab. Grob gesagt darf man sich jedoch auf Verbräuche zwischen 15 Liter auf der Autobahn bzw. 20 und mehr im Stadtbetrieb einstellen. Und: Eine Portemonnaie-schonende Gasanlage und H-Kennzeichen schließen sich generell gegenseitig aus.

 

F wie Fazit

Jeder Ford F-Pickup ist in Deutschland ein Kopfverdreher. Die Blech-gewordene Verkörperung des amerikanischen Traums. Und insbesondere ob der Tatsache, dass der Coolness-Faktor dieser Oldtimer kaum zu toppen ist, sind selbst spitzenmäßig gepflegte Exemplare aus den 60ern und 70ern mit unteren fünfstelligen Preisen noch sehr human.

 

 

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