Titelbild-Hauptbremszylinder-Auto-wechseln Hauptbremszylinder – Funktion, Symptome und Ratgeber zum Wechseln
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Der Pedalweg der Bremse an Ihrem Auto ist zu lang beziehungsweise das Kfz bremst schwach oder überhaupt nicht mehr? Eine mögliche Ursache hierfür ist ein kaputter Hauptbremszylinder. Dieser baut den Druck im Bremssystem auf. Bei einem Defekt sinkt die Bremswirkung und der Weg des Bremspedals wird ungewöhnlich lang. Unser Ratgeber erklärt Wissenswertes zum Hauptbremszylinders und mögliche Symptome bei Verschleiß. Außerdem geben wir eine Anleitung, wie Sie diesen bei den gängigen Marken wie Skoda, Audi, VW, Toyota, BMW, Renault und Mercedes-Benz selber wechseln.

Aufbau und Funktion des Hauptbremszylinders

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Die Bremsanlage beim Auto ist ein hydraulisches System. Das System arbeitet mit einem hohen Druck, der über die Bremsflüssigkeit in Leitungen an die Radbremsen übertragen wird. Beim Betätigen des Bremspedals entsteht Druck im System, der die Radzylinder bewegt. Bei der Scheibenbremse wird dadurch der Bremskolben am Bremssattel herausgedrückt und presst die Bremsbeläge gegen die Bremsscheiben. Bei Trommelbremsen werden die Bremsbacken auseinandergedrückt und schleifen an der Bremstrommel. Beim Loslassen des Pedals erfolgt der Druckabbau, wodurch die Kolben ein kleines Stück einfahren.

Der Hauptbremszylinder (auch kurz: HBZ) erzeugt den benötigten Bremsdruck im System. Er wandelt den mechanischen Druck auf das Bremspedal in hydraulischen Druck um. Der Bremskraftverstärker unterstützt die Bremswirkung des Pedals, damit für eine starke Bremsung nur wenig Kraft nötig ist. Der Bremsdrucksensor misst den Druck im System und erkennt einen Druckabfall zum Beispiel durch Löcher oder Risse im Bremsschlauch. Das Anti-Blockier-System verhindert das Blockieren der Räder, damit das Auto lenkbar bleibt. Das ABS-Steuergerät ist dazu mit dem HBZ verbunden.

Im Auto werden seit langer Zeit nur noch Tandem-Hauptbremszylinder eingesetzt. Das sind Bremszylinder mit Druckkolben und Zwischenkolben. Dadurch entstehen zwei Druckkammern und zwei getrennte Bremskreise. Das führt bei einem Defekt im Bremskreis nur zum Ausfall eines Bremskreises, der zweite Bremskreis funktioniert weiterhin. In diesem Fall ist die Bremswirkung zwar viel geringer, aber das Auto kann noch gestoppt werden. Die Kreise bremsen jeweils Vorderräder und Hinterräder diagonal, damit das Auto auch mit einem Bremskreis in der Spur bleibt.

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Ist der Hauptbremszylinder ein Verschleißteil?

Der Hauptbremszylinder ist kein klassisches Verschleißteil, das Sie nach einem bestimmten Intervall tauschen müssen. Die Lebensdauer ist nicht unendlich. Die Überprüfung erfolgt bei der Durchsicht und bei der Hauptuntersuchung. Wenn sich Anzeichen von Verschleiß oder einem Schaden zeigen wird der Austausch vorgenommen.

Der hohe Druck, äußere Einflüsse und thermische Belastungen setzen dem Hauptbremszylinder zu. Das führt irgendwann zu Schäden an den Dichtungen und beweglichen Elementen. Der Fahrer kann die Lebensdauer erhöhen, indem er unnötig starke Bremsungen vermeidet. Das schont die Leitungen, Dichtungen und den Hauptbremszylinder.

Welche Symptome treten bei einem defekten Hauptbremszylinder auf?

In den meisten Fällen treten die Verschleißerscheinungen am Hauptbremszylinder schleichend auf. Der Fahrer kann die Anzeichen frühzeitig erkennen und den Zylinder tauschen, bevor es zum Ausfall der Bremsanlage kommt. Folgende Symptome deuten auf einen Defekt des Zylinders hin:

  • Bremspedalweg verlängert
  • Bremskraft verringert, Bremsweg zu lang
  • Widerstand beim Durchdrücken des Pedals
  • Bremspedal kommt nicht in die Ausgangsstellung zurück
  • eine Kammer ausgefallen, Bremsung nur diagonal
  • Eintrag im Fehlerspeicher, beispielsweise „Bremsdrucksensor-Wert zu niedrig / unplausibel“

Welche Folgen hat die Fahrt mit defektem Hauptbremszylinder?

Das Weiterfahren mit kaputter Bremsanlage hat sicherheitsrelevante und gesetzliche Folgen. Die Sicherheit im Straßenverkehr wird durch die schwache Bremsleistung beeinträchtigt. Eine Vollbremsung ist oft überhaupt nicht mehr möglich. Das ist ein Risiko für den Fahrer, die Insassen und andere Verkehrsteilnehmer steigt enorm an. Außerdem gilt: Eine Hauptuntersuchung beim Tüv besteht das Fahrzeug nicht.

Bei einem kleinen Defekt an der Anlage besteht außerdem die Gefahr, dass die Bremsanlage völlig ausfällt. Das gilt insbesondere für einen defekten Bremskreis oder eine undichte Leitung. Bei einem totalen Bremsversagen müssen Sie das Auto abschleppen lassen. Wer mit kaputter Bremsanlage weiterfährt, riskiert die Schuld an einem Unfall.

Eine Undichtigkeit an Dichtungen und Bremsleitungen kann auch zu Folgeschäden führen. Die auslaufende Bremsflüssigkeit ist umwelt- und gesundheitsschädlich. Wenn eine Leitung tropft, kann die Flüssigkeit Schäden an Lack und Teilen aus Kunststoff oder Gummi. Dazu gehören auch Dichtungen, die nicht für die Bremsflüssigkeit ausgelegt sind.

Welche anderen Ursachen müssen vorm Tauschen des Hauptbremszylinders ausgeschlossen werden?

Die oben beschriebenen Symptome helfen bei der Diagnose, können aber auch bei anderen Defekten auftreten. Daher sollten Sie vor der komplizierten Reparatur des Hauptbremszylinders die anderen Fehlerursachen kontrollieren. Dazu gehören insbesondere:

  • Bremsanlage undicht, Leck an Anschlüssen oder Dichtungen
  • Luft im Bremssystem
  • Bremsschlauch geknickt oder ausgebeult
  • Radbremszylinder oder Bremssattelträger fest, verschlissen oder kaputt

Hauptbremszylinder Schritt für Schritt selber wechseln

Sie haben Ihre Fehlerursache auf den Hauptbremszylinder eingegrenzt? Mit unserer Anleitung gelingt die Reparatur bei den meisten Autos. Wir erklären Schritt für Schritt, wie Sie den Hauptbremszylinder beim Kfz selber erneuern. Diese Reparatur ist für Fortgeschrittene, da sie viele Arbeitsschritte benötigt.

Zum Wechseln des Hauptbremszylinders nach unserem Ratgeber benötigen Sie die folgenden Werkzeuge und Hilfsmittel:

1. Vorbereitung

Wählen Sie für das Auto einen für die Reparatur geeigneten Abstellort aus. Das Tauschen des Hauptbremszylinders ist eine komplexe Reparatur, bei der Sie verschiedene Teile im Motorraum abbauen müssen. Achten Sie auf eine gute Beleuchtung und einen ebenen Untergrund. Öffnen Sie die Motorhaube.

2. Bremsflüssigkeit absaugen

Suchen Sie den Ausgleichsbehälter für die Bremsflüssigkeit. Dieser ist klein, durchsichtig und hat einen Deckel zum Abschrauben. Öffnen Sie den Deckel und entleeren Sie den Behälter. Hierfür wird eine Pumpe oder Spritze benötigt, um die Flüssigkeit abzusaugen.

Ein günstiger Trick ist: Nehmen Sie eine gewöhnliche Pumpflasche, wie Sie beispielsweise für Reinigungsmittel genutzt wird. Ohne die Flasche können Sie mit dem Schlauch durch Pumpbewegungen die Flüssigkeit absaugen. Sprühen Sie dabei in eine Flasche oder einen Behälter.

3. Platz schaffen

Der Hauptbremszylinder befindet sich unterhalb des Ausgleichsbehälters. Für die Reparatur müssen Sie also alle störenden Teile demontieren, die den Zugriff auf den Ausgleichsbehälter und den Hauptbremszylinder behindern. Das sind beispielsweise Schläuche, Behälter oder Abdeckungen.

4. Ausgleichsbehälter entfernen

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Der Ausgleichsbehälter für die Bremsflüssigkeit ist über eine oder mehrere Schrauben mit dem Hauptbremszylinder verbunden. Diese Schrauben sind oft sehr gut versteckt und nur schwer zugänglich. Lockern Sie die Schrauben, um den Behälter vom Zylinder trennen zu können.

Legen Sie nun rund um den Behälter Tücher aus, da beim Herausziehen eine größere Menge Bremsflüssigkeit auslaufen wird. Diese sollte mit möglichst wenigen Teilen in Kontakt kommen, da sie Gummi und Kunststoffe angreifen kann. Tragen Sie beim Herausziehen außerdem Schutzhandschuhe und eine Schutzbrille, damit Sie nicht mit der Bremsflüssigkeit in Berührung kommen. Lösen Sie nun den Ausgleichsbehälter aus dem Hauptbremszylinder, indem Sie ihn herausziehen.

Je nach Auto: Hauptbremszylinder freilegen

Dieser Schritt kann sich von Auto zu Auto stark unterscheiden. Zuerst müssen Sie die Schrauben für die Demontage des Hauptbremszylinders suchen. Bei manchen Autos sind diese Schrauben ohne weitere Schritte erreichbar, in diesem Fall können Sie mit Schritt 5 fortfahren.

Wenn die Schrauben verbaut sind, müssen Sie die betreffenden Teile demontieren. Das kann andere Bauteile, Leitungen und Schläuche betreffen. Merken Sie sich die Position jedes Teils gut und fertigen Sie bestenfalls vorher einige Fotos an. So lässt sich später leichter der Ausgangszustand wiederherstellen.

Bei einigen Autos müssen Sie sogar den gesamten Bremskraftverstärker demontieren, um die Schrauben für den Hauptbremszylinder zu erreichen. Dieser ist mit dem Bremspedal verbunden. Das Pedal erreichen Sie über die Innenverkleidung unter dem Lenkrad. Hier ist der Bremskraftverstärker meist über ein Kugelgelenk mit dem Pedal verbunden. Möglicherweise müssen Sie auch den Bremslichtschalter abbauen.

5. Hauptbremszylinder ausbauen

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Wenn der Hauptbremszylinder freigelegt ist, können Sie die Bremsschläuche lösen. Dies geht mit einem gewöhnlichen Gabelschlüssel. Legen Sie auch hier Tücher unter, da Reste der Bremsflüssigkeit auslaufen können. Verschließen Sie die Öffnungen der Schläuche, damit kein Schmutz oder Staub in das System gelangt.

Nun können Sie den Hauptbremszylinder selbst ausbauen. Meist ist er mit zwei Schrauben mit dem Bremskraftverstärker verbunden. Bei einigen Autos sind die Schrauben stark verbaut und Spezialwerkzeuge erforderlich. Wurden diese Schrauben schließlich herausgedreht, lässt sich der Hauptbremszylinder ausbauen und tauschen.

6. Neuen Hauptbremszylinder montieren

Nun beginnt die Montage des neuen Hauptbremszylinders. Zuerst wird die Dichtung erneuert, die den Verbindungspunkt zwischen Hauptbremszylinder und Bremskraftverstärker abdichtet. Verschließen Sie außerdem die Öffnungen, damit kein Schmutz in den neuen Zylinder gelangt.

Setzen Sie nun den neuen HBZ an und befestigen Sie die Schrauben. Setzen Sie erst alle Schrauben an und ziehen Sie diese dann abwechselnd fest, damit der Zylinder gleichmäßig fest wird. Beachten Sie hierbei das vorgegebene Drehmoment. Nun schließen Sie noch die Leitungen wieder an.

7. Zusammenbau

Falls Sie für die Reparatur den Bremskraftverstärker demontiert haben, müssen Sie diesen wieder einbauen. Befestigen Sie ihn wieder am Bremspedal und stellen Sie den Ausgangszustand wieder her.

Setzen Sie nun alles wieder zusammen. Als erstes wird der Ausgleichsbehälter auf den HBZ aufgesteckt. Schrauben Sie ihn in der vorherigen Position wieder fest. Bringen Sie alle anderen Teile wieder an, die Sie für die Demontage abbauen mussten.

8. Bremsanlage entlüften

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Vor der ersten Fahrt müssen Sie die Bremsanlage entlüften. Hier benötigen Sie ein spezielles Bremsentlüftungsgerät oder eine zweite Person. Füllen Sie erst den Vorratsbehälter mit neuer Bremsflüssigkeit bis zur Max-Markierung auf und lassen Sie die Flasche in der Nähe. Demontieren Sie ein Rad, an dem das Entlüften beginnen soll und schließen Sie einen Schlauch am Entlüftungsnippel an.

Bitten Sie nun den Helfer, im Auto auf dem Fahrersitz Platz zu nehmen. Die Person muss mit dem Bremspedal Druck aufbauen, während der Entlüftungsanschluss geöffnet wird. Nun wird die Bremsflüssigkeit herausgedrückt. Achten Sie darauf, dass das offene Schlauchende immer in der Flüssigkeit liegt, da sich sonst Luft von unten in das System ziehen kann. Sie sollten anfangs deutliche Luftblasen darin sehen, die mit der Zeit weniger werden.

Wenn keine Luftblasen mehr kommen, wiederholen Sie den Vorgang an den anderen Rädern. Nur so wird das Bremssystem vollständig entlüftet. Kontrollieren Sie nach jedem Rad den Füllstand des Ausgleichsbehälters und füllen Sie bei Bedarf wieder auf.

Eine detaillierte Anleitung finden Sie in unserem Ratgeber zum Bremsflüssigkeit wechseln und entlüften.

9. Testfahrt

Nach dem Tauschen des Hauptbremszylinders und Entlüften des Bremssystems folgt noch die Testfahrt. Starten Sie das Auto und prüfen Sie die Ansprache der Bremse im Stand. Sie sollten einen deutlichen Widerstand spüren.

Beginnen Sie mit einer Testfahrt. Prüfen Sie die Wirkung der Bremsen zuerst bei einer niedrigen Geschwindigkeit, damit Sie das Fahrzeug im Notfall auch mit der Handbremse stoppen können. Wenn das funktioniert, fahren Sie etwas schneller und prüfen wieder die Bremswirkung. Testen Sie außerdem das Antiblockiersystem, um sicherzugehen, dass die volle Bremswirkung vorhanden ist und das ABS richtig arbeitet. Wenn bei diesem Test alles funktioniert, war das Tauschen des Hauptbremszylinders erfolgreich.

Hauptbremszylinder selber wechseln

Mithilfe unserer Einbauanleitung können Sie den Hauptbremszylinder beim Kfz selber wechseln. Die Kosten für einen neuen Hauptbremszylinder liegen durchschnittlich zwischen 50 und 200 €. Die Arbeitszeit beträgt je nach Auto zwischen 2 und vier Stunden.

Kosten sparen können Sie mit einem Gebrauchtteil. Ein gebrauchter und runderneuerter Hauptbremszylinder kostet etwa 50 % des Neupreises. Das ist besonders interessant, wenn das neue Ersatzteil für Ihr Auto sehr teuer ist. Kaufen Sie Gebrauchtteile aber nicht von Privatpersonen, sondern ausschließlich von zertifizierten Händlern. Diese sind zur Gewährleistung verpflichtet und haben daher die Gebrauchtteile auf Funktion geprüft.

Der Hauptbremszylinder ist eines der wichtigsten Teile der Bremsanlage und muss daher perfekt funktionieren. Kaufen Sie daher keine Billigteile, sondern bewährte Marken. Dazu gehören:

  • ABE
  • ATE
  • NK
  • TRW
  • A.B.S
  • Bosch
  • Brembo
  • Delphi
  • Triscan

Reparatur des Hauptbremszylinders in der Werkstatt

Wenn Sie sich das Wechseln nicht zutrauen, können Sie den Hauptbremszylinder auch in der Fachwerkstatt tauschen lassen. Die Fachleute werden andere Ursachen ausschließen und anschließend das Tauschen des Hauptbremszylinders vornehmen. Hier fallen für die Reparatur je nach Auto Gesamtkosten von durchschnittlich 300 bis 700 € an.

Haftungsausschluss

Unsere Ratgeber enthalten viele fachliche Informationen rund um das KFZ, die wir sorgfältig zusammengetragen haben. Diese Artikel können allerdings die Fachkenntnis eines Spezialisten nicht ersetzen. Autoteile-Markt haftet daher nicht für Schäden und Verletzungen, die durch unsachgemäß ausgeführte Reparaturen entstehen. Wir empfehlen grundsätzlich, Arbeiten am KFZ nur von einem Fachmann ausführen zu lassen.

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