Titelbild-Lenkrad-ruckelt-Bremsen Lenkrad ruckelt beim Bremsen – Nicht ignorieren, Diagnose durchführen
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Das Lenkrad bei Ihrem Auto vibriert, flattert oder ruckelt beim Bremsen? Dieses Warnsignal kann viele Ursachen haben. Die Möglichkeiten reichen von abgenutzten Belägen bis hin zum Schaden am Fahrwerk durch Bordsteinrempler. Unser Ratgeber verrät Wissenswertes zu Lenkradvibrationen und verrät, wie Sie eine Diagnose durchführen und Abhilfe schaffen.

Wie funktioniert die Bremsanlage beim Auto?

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Die Bremse hat das Ziel, das Auto zu verlangsamen oder anzuhalten. Dazu muss sie schnell reagieren, bei der Vollbremsung möglichst innerhalb eines Sekundenbruchteils. Zusätzlich müssen sie absolut ausfallsicher sein. Moderne Autos verfügen über eine hydraulische Zweikreisbremsanlage mit Bremskraftverstärker. Zwei Bremskreise sorgen dafür, dass die Bremse auch beim Ausfall eines Bremskreises noch funktioniert, lediglich der Weg des Bremspedals verlängert sich. Der Bremskraftverstärker verstärkt die Pedalkraft hydraulisch, damit auch ein Fahrer mit wenig Kraft stark bremsen kann.

Die Funktion der Bremsanlage wird durch viele zusammenwirkende Komponenten ermöglicht. Das Bremspedal leitet den Bremsvorgang ein. Es aktiviert den Hauptbremszylinder, welcher Druck im Bremssystem aufbaut. Bremsleitungen übertragen den Druck über Bremsflüssigkeit an die Räder. Dort drücken die Radbremszylinder die Bremsbeläge zusammen. Zwischen diesen befindet sich die Bremsscheibe, die mit dem Rad verbunden ist. Durch das Verzögern der Bremsscheiben wird auch das Rad abgebremst.

Fehler in diesem komplexen Aufbau reduzieren die Bremskraft oder die Spurtreue ist nicht mehr gegeben. Wenn das Lenkrad beim Bremsen ruckelt oder flattert, ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass ein Defekt vorliegt. Sie sollten die verantwortlichen Fehler an der Bremsanlage sofort beheben, bevor es zum Totalausfall kommt!

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Welche Arten von Bremsen kommen zum Einsatz?

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Bei nahezu allen Autos werden zwei Arten von Bremsen eingesetzt:

  • Scheibenbremsen (häufig)
  • Trommelbremsen (selten)

Moderne Autos verfügen in der Regel über Scheibenbremsen an allen Rädern. Bei Kleinwagen und älteren Autos kommt es vor, dass an der Vorderachse Scheibenbremsen und an der Hinterachse Trommelbremsen verbaut sind. Eine vollständige Trommelbremsanlage lässt sich höchstens noch in Oldtimern finden.

Die Scheibenbremse hat sich aufgrund der höheren Bremskraft durchgesetzt und wird überwiegend in PKW verbaut. Die Trommelbremsen sind günstig in der Herstellung und schützen die empfindlichen Teile besser vor Schmutz. Sie kommen oft in Baufahrzeugen zum Einsatz.

Verteilung der Bremskraft

Die Bremsen am Auto ziehen nicht gleichmäßig stark an. Für die Bremskraftverteilung gibt es klare Idealwerte:

  • Vorn 2/3 bzw. 66,6 %
  • Hinten 1/3 bzw. 33,3 %
  • Links und rechts pro Achse gleich

Das hat zwei Gründe. Erstens verhindert die kleinere Bremskraft am Heck des Autos, dass bei jeder Bremsung die Reifen blockieren. Dabei bestünde die Gefahr, dass das Autos ausbricht. Der zweite Grund ist die Gewichtsverteilung des Fahrzeugs. Generell Vorn mehr Gewicht, welches sich beim Bremsen zusätzlich nach vorn verlagert. Folglich ist eine größere Bremskraft an der Vorderachse sinnvoll.

Wichtig ist in jedem Fall die seitliche Verteilung. Die Bremskraft links und rechts muss auf jeden Fall gleich groß sein. Andernfalls zeigt das Auto eine Seitenneigung beim Bremsen und zieht zur stärker bremsenden Seite.

Welche Symptome können beim Bremsen des Autos auftreten?

Eine sauber eingestellte Bremsanlage bremst sofort, gleichmäßig und geräuschlos. Jede Abweichung deutet auf einen Defekt hin. Typische Symptome bei der Bremsung des Autos sind:

  • leichte Vibrationen des Lenkrads
  • kratzendes oder schabendes Geräusch
  • Rattern, einseitig oder beidseitig
  • Extremfall: Ausschläge des Lenkrads

Welche Folgen hat das Fahren mit Lenkradflattern?

Wenn das Auto beim Bremsen ruckelt oder flattert, dann ist die Sicherheit gefährdet. Dieses Verhalten kann zu unkontrollierbaren Situationen und schlimmstenfalls zum Unfall führen. Eine zusätzliche Gefahr entsteht möglicherweise durch den Ausfall von ABS und ESP. Das Ignorieren dieser Anzeichen kann zudem ein vollständiges Bremsversagen nach sich ziehen.

Dann gibt es auch noch gesetzliche Folgen. Während der Hauptuntersuchung beim Tüv werden die Bremsen und insbesondere die Bremskraft untersucht. Sind die Bremsen verschlissen, wird das Auto die HU nicht bestehen. Das Fahren mit defekter Bremsanlage wird außerdem mit einem Bußgeld geahndet. Beim Unfall kann zudem eine Umkehrung der Unfallschuld eintreten.

Welche Ursachen hat Bremsenflattern?

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Das Ruckeln des Lenkrads beim Bremsen kann viele Ursachen haben. Auch eine Kombination mehrerer Schäden ist möglich. Zu den häufigen Ursachen zählen:

  • Rost
  • Verschleiß
  • Problem im Bremsleitungssystem
  • mechanische Defekte
  • Fahrwerksproblem

Als erste Maßnahme empfehlen wir die Eingrenzung des Fehlers. Prüfen Sie dazu, ob die Lenkradvibrationen beim Bremsen mit der Feststellbremse auftreten, da diese nur hinten bremst. Ist der Effekt dann verschwunden, liegt der Fehler an der Vorderachse. Außerdem können Sie bei langsamer Fahrt das Lenkrad festhalten und mit offenen Fenstern nach Geräuschen horchen. Alternativ bitten Sie einen Helfer, auf ungewöhnliche Geräusche zu achten.

In den folgenden Abschnitten erklären wir Schritt für Schritt, wie Sie an Ihrem Auto das Problem eingrenzen können. Außerdem geben wir Tipps zur Behebung und geben einen Rahmen für die Kosten Beim entsprechenden Defekt. Viele Arbeiten können Sie mit ein wenig Werkzeug selbst ausführen.

Rost oder Korrosion

Verrostete Bremsbeläge und Bremsscheiben verursachen starke Lenkradvibrationen bis hin zum Flattern. Es gibt zwei Hauptgründe für Rost:

  • Fahrzeug stand lange
  • Bremse sitzt fest

Nach längerem Stehen kann es vorkommen, dass sich Rost im Bereich der Bremse bildet. Normalerweise schleifen sich diese Partikel von der Oberfläche ab, sobald sie entstehen. Sie sollten das Auto fahren und mehrfach mit mittlerer Kraft die Bremse bzw. Handbremse betätigen, damit sich der Rost wieder abschleift. Nach mehreren Bremsungen sollte das Symptom verschwinden. Andernfalls lassen sich die Beläge und Scheiben ausbauen und manuell abschleifen. Normalerweise entstehen hierdurch keine Kosten.

Rost an den Belägen und Scheiben entsteht auch, wenn eine Bremse fest ist. Das Auto zeigt oft eine seitliche Neigung beim Bremsvorgang. Die nicht wirkende Bremse finden Sie auf dem Bremsenprüfstand oder durch eine Vollbremsung auf weichem Untergrund. Die Schleifspuren zeigen, welches Rad nicht abbremst. Ist eine Bremse fest, muss diese instandgesetzt werden. Anschließend schleifen sich Bremsbeläge und Bremsscheibe meist automatisch wieder ein.

Bremsbeläge abgenutzt oder beschädigt

Die Bremsbeläge sind auf einer Trägerplatte aufgebracht. Der Radbremszylinder drückt gegen die Trägerplatte und presst die Beläge gegen die Bremsscheibe. Bei jedem Bremsvorgang schleifen sich Beläge und Scheibe ab. Ein mechanischer Verschleißwarnkontakt verrät Ihnen, wann das Wechseln nötig ist. In die Beläge ist ein Blech eingearbeitet, welches ein metallisches Quietschen verursacht.

Wenn die Bremsbeläge vollständig abgenutzt sind, entsteht ein kratzendes Geräusch. Dieses Geräusch kommt von der schleifenden Trägerplatte. Die Bremse ist in diesem Zustand nicht mehr verkehrstüchtig, da die Wirkung stark nachlässt. Hier hilft nur das achsweise Austauschen der Beläge. Diese kosten durchschnittlich 20 bis 50 € pro Satz. Mit unserem Ratgeber zum Bremsbeläge erneuern können Sie diese Arbeit am Auto selber übernehmen.

Bremsscheibe abgenutzt oder verzogen

Der Aufbau der Bremsscheibe unterscheidet sich je nach Modell. Einfache Bremsscheiben sind aus Vollmaterial. Die meisten Bremsscheiben sind innenbelüftet: Das heißt, sie bestehen aus zwei Scheiben, die über Lüftungskanäle miteinander verbunden sind. Innenbelüftete Bremsscheiben regulieren die Temperatur besser und schützen vor Überhitzung.

Wenn eine Bremsscheibe überhitzt, kann sie sich verziehen und wellig werden. Das sorgt für ungleichmäßige Bremsungen und Lenkradflattern. Diese Gefahr besteht insbesondere bei einer Bergabfahrt. Eine heißgelaufene Bremsscheibe erkennen Sie meist an einer Verfärbung des Metalls. Untersuchen Sie in jedem Fall die umliegenden Teile mit, also speziell Bremszange, Bremsleitung, Felgen und Reifen.

Bremsscheiben sind Verschleißteile und werden gewechselt. Mit unserer Einbauanleitung zum Bremsscheiben selber wechseln können Sie dies selbst vornehmen. Das Wechseln der Scheiben geschieht immer achsweise. Ein Satz Scheiben für das gesamte Fahrzeug kostet durchschnittlich 100 bis 250 €. Hinzu kommen die Kosten für neue Beläge. Bei den Verschleißteilen ist üblicherweise die Vorderachse teurer als die Hinterachse.

Defekt am Rad oder Reifen

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Kontrollieren Sie regelmäßig den Reifenluftdruck. Ein viel zu hoher oder zu niedriger Druck führt zu ungünstigen Fahreigenschaften. In Verbindung mit anderen Ursachen kann das zu Lenkradvibrationen führen. Bei dieser Gelegenheit sollten Sie gleich prüfen, ob die Radbolzen fest sind.

Untersuchen Sie anschließend den Reifen auf sichtbare Beschädigungen. Schäden durch Bordsteinrempler oder andere mechanische Einwirkungen können den Reifen verformen. Ein kaputter Reifen muss gewechselt werden und kostet zwischen 50 und 100 €.

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Verschleiß am ABS Sensor

Das ABS (Anti-Blockier-System) sorgt dafür, dass die Räder beim Bremsen nicht komplett blockieren und hält das Fahrzeug lenkfähig. Das wichtigste Bauteil ist der ABS-Sensor mit Sensorring. Der Sensorring aus Stahl ist mit der Antriebswelle verbunden und besitzt gleichmäßig verteilte Löcher oder Zähne. Der Sensor erkennt an diesen Löchern oder Zähnen, ob sich das Rad dreht oder nicht. Wenn das Rad blockiert, löst der Sensor kurz die Bremse, damit sich das Rad wieder dreht, das führt allerdings zum Ruckeln des Lenkrads.

Ein häufiger Fehler ist ein weggerosteter ABS-Ring. Der Fühler löst regelmäßig das ABS aus und das Auto kommt ruckelnd zum Stehen. Das Wechseln des ABS Sensorrings behebt den Fehler. Die Kosten für den Stahlring betragen meist 5 bis 20 €.

Verschleiß am Fahrwerk – Stoßdämpfer, Spiralfeder, Lenkgestänge

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Das Fahrwerk überträgt die Kräfte zwischen Karosserie und Rädern und gleicht Stöße und Unebenheiten aus. Fahrwerksteile werden dementsprechend stark mechanisch belastet und neigen zu Verschleiß. Bei einem Defekt an Fahrwerksteilen kommt es zur unsanften Kraftübertragung und möglicherweise zum Flattern des Lenkrads.

Häufig liegt der Fehler bei einem undichten oder verschlissenen Federbein oder einer kaputten Spiralfeder. Mit unserem Ratgeber zum Stoßdämpfer beim Auto wechseln können Sie diese Arbeit selbst erledigen. Die Kosten für Stoßdämpfer betragen normalerweise 200 bis 400 € pro Achse. Die Spiralfedern sind mit 30 bis 80 € pro Achse deutlich günstiger.

Spur verstellt

Es ist wichtig für das Fahrverhalten, dass alle Reifen exakt in die gleiche Richtung laufen. Nur eine Werkstatt mit speziellen Messeinrichtungen kann die Spur prüfen. Ist die Spur verstellt hilft nur das Spur einstellen lassen. Dies muss durch eine Werkstatt erfolgen und ist zuhause nicht in der nötigen Genauigkeit umsetzbar. Die Kosten betragen 60 bis 150 €.

Fehler im Bremssystem des KFZ

Der Hauptbremszylinder baut den Bremsdruck im System auf und die Radbremszylinder drücken die Bremsbeläge gegen die Bremsscheiben. Ist nun einer der Radbremszylinder fest, bremst das Auto einseitig. Das führt zur Seitenneigung und zum ruckeln. Testen sie die Bremswirkung auf weichem Untergrund oder einem Bremsenprüfstand.

Ein weiterer möglicher Fehler ist Luft in der Bremsflüssigkeit. Die Bremsanlage ist ein geschlossenes System. Bei Arbeiten an den Bestandteilen der Bremse kann Luft in das System gelangen. Fachleute entlüften daher das Bremssystem nach der Arbeit, da es sonst unzuverlässig bremst. Mit unserer Anleitung zum Flüssigkeit wechseln und Entlüften der Bremsanlage können Sie dies selbst übernehmen.

Wie kann ich Bremsenflattern beim Auto vorbeugen?

Wenn das Lenkrad beim Bremsen vibriert und ruckelt, besteht große Gefahr für Sie selbst und alle anderen Verkehrsteilnehmer. Sie können diese Gefahr jedoch durch angepasste Fahrweise vermeiden und Symptome rechtzeitig erkennen, bevor ein gravierender Schaden entstanden ist.

Schonende Fahrweise

Verlängern Sie die Lebensdauer der Verschleißteile durch eine vorausschauende und schonende Fahrweise. Vermeiden Sie unnötig starke Bremsungen und nutzen Sie die Motorbremse, um die Scheibenbremse zu schonen. Dies gilt besonders bei einer Bergabfahrt da die Scheiben und Beläge hier schnell heiß werden.

Regelmäßige Kontrolle

Regelmäßige Kontrolle schützt vor gefährlichem Fahrverhalten des Autos. Bringen Sie Ihr Auto regelmäßig zum Service, um Lenkradflattern vorzubeugen. Während der Inspektion werden insbesondere Bremsanlage und Fahrwerk untersucht. Ein günstiges Intervall für die Kontrolle ist der halbjährliche Wechsel von Sommerreifen auf Winterreifen.

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