Titelbild-AGR-Ventil-reinigen AGR-Ventil – Ratgeber zur Diagnose und zum selber reinigen
©Foto: PongMoji/depositphotos.com

Ihr Auto entwickelt ungewöhnliches Abgas, bringt nicht mehr die volle Leistung oder ist sogar durch die AU beim Tüv gefallen? Das können Anzeichen eines defekten AGR-Ventils sein. Das Ventil reguliert die Verbrennung und verursache Fehler, wenn es seinen Dienst versagt. Wir erklären in diesem Ratgeber den Aufbau der Abgasrückführung und zeigen, wie Sie ein verschmutztes AGR-Ventil selber reinigen.

Funktion und Wissenswertes zur Abgasrückführung

Benzinmotor und Dieselmotor verbrennen Kraftstoff, um Leistung zu erzeugen. Die Verbrennung wird durch die Motorsteuerung über das Verhältnis von Kraftstoff und Luft reguliert. Im Auto verbaute Sensoren messen die Abgase und reagieren mit einer Anpassung des Gemischs.

Die Abgasrückführung beim Auto ist Teil dieser Regelung. Sie leitet einen Teil der Abgase wieder in den Motor zurück. Dadurch steht weniger Sauerstoff zur Verfügung, die Motortemperatur bei der Verbrennung sinkt und es entstehen weniger Schadstoffe. Speziell der Ausstoß von Stickoxiden lässt sich damit reduzieren. Das Herzstück der Abgasrückführung ist das Abgasrückführungsventil, kurz AGR-Ventil.

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AGR-Ventil
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Anzeichen eines verschmutzten AGR-Ventils

Das AGR-Ventil unterliegt einem gewissen Verschleiß, da es sich im Abgasstrom befindet. Mit der Zeit setzt es sich zu und öffnet beziehungsweise schließt nicht mehr sauber. Die Verbrennung im Zylinder wird gestört. Anzeichen sind:

  • Auto geht unter Last in das Notlaufprogramm
  • Motorkontrollleuchte erscheint
  • Meldung im Fehlerspeicher „AGR-Durchflussrate gering“, „AGR-Ventil dauerhaft offen“
  • reduzierte Leistung
  • Auto ruckelt
  • Qualmentwicklung, stinkende Abgase
  • schlechte Abgaswerte, höherer Verbrauch

Defektes AGR-Ventil – Ursachen und Auswirkungen

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Rußablagerungen im Auspuff
©Foto: Leonid_Eremeychuk/depositphotos.com

Jeder Motor wird vom Hersteller des Autos auf eine bestimmte Betriebstemperatur ausgelegt. Beim Kaltstart entsteht daher mehr Ruß. Häufige Kurzstrecken unterstützen die Rußbildung und führen zur Ablagerung von Schadstoffen. Durch eine falsche Abgastemperatur können sich ebenfalls Schadstoffe ablagern. Der Fehler könnte beispielsweise in einer falschen Einstellung der Steuerung oder einer defekten Lambda-Sonde liegen. Auch Undichtigkeiten im Ansaugtrakt des Autos können die Verbrennung beeinflussen.

Folgen der defekten Abgasrückführung

Ein verschmutztes AGR-Ventil sorgt für eine unsaubere Verbrennung. Das sorgt für weniger Leistung und schlechte Abgaswerte. Durch Rußablagerung und falsche Temperaturen bei der Verbrennung können sogar Folgeschäden am Auto entstehen. Hiervon betroffen sind überwiegend:

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Rußablagerungen im Zylinder
©Foto: MalkovKosta/depositphotos.com

Dieser Defekt am Auto stellt auch ein gesetzliches Problem dar. Der TÜV wird im Zuge der Hauptuntersuchung bei der Abgasuntersuchung Werte außerhalb der Norm feststellen. Dadurch erhält das Auto wahrscheinlich keine neue Plakette. Zum Bestehen der Prüfung müssen Sie das AGR-Ventil wechseln oder reinigen.

Abgasrückführungsventil selber ausbauen und reinigen

Ihr Auto zeigt einige der oben genannten Symptome? Dann könnte das AGR-Ventil defekt sein. Mithilfe unserer Anleitung können Sie das Ventil selber reinigen. Bedenken Sie aber, dass sich einige Verschmutzung und Verkokungen nicht rückstandslos entfernen lassen. Das gereinigte Ventil wird zwar wieder funktionieren, hält aber nicht so lange wie ein neues AGR-Ventil.

Sie sollten für das Reinigen des AGR-Ventils die folgenden Werkzeuge und Hilfsmittel bereithalten:

  • neuer Dichtungssatz für AGR-Ventil
  • Satz Gabelschlüssel
  • Satz Ringschlüssel
  • Satz Steckschlüssel
  • Drehmomentschlüssel
  • Drahtbürste
  • weitere Bürsten
  • Tücher
  • Reinigungsmittel, speziell für Verkokungen

Vorbeugende Maßnahme: Schnellreinigung

Eine unsaubere Verbrennung und Schmutz im Ansaugtrakt setzen das AGR-Ventil des Autos zu. Im Gegenzug können spezielle Additive das Ventil wieder reinigen. Diese gibt es als Tankzusatz oder als Reiniger, der über einen Schlauch im Ansaugtrakt zugeführt wird.

Diese Maßnahmen funktionieren allerdings nur vorbeugend. Ein bereits verstopftes AGR-Ventil lässt sich damit nicht mehr reinigen, denn der Zusatz kann feste Rußablagerungen und Verkokungen nicht entfernen. Hier hilft nur das Ausbauen und manuelle Reinigen des Ventils.

1. Vorbereitung, Lokalisation

Zum Reinigen des AGR-Ventils müssen Sie an den Abgastrakt des Autos. Lassen Sie den Motor daher etwas abkühlen, da das AGR-Ventil andernfalls sehr heiß ist!

Öffnen Sie die Motorhaube und suchen Sie das AGR-Ventil. Bei vielen Autos müssen Sie zuerst die Motorabdeckung entfernen. Es findet sich meist in der Nähe des Abgaskrümmers oder der Ansaugbrücke. Folgen Sie zum Beispiel dem dicken Schlauch für den Ladedruck. Bei den meisten Autos stören andere Teile den Zugriff. Bauen Sie alle Teile ab, welche bei der Demontage des AGR-Ventils im Weg sind.

2. Leitungen demontieren

Notieren Sie die Positionen der Leitungen und Schläuche. Eventuell können Sie auch Fotos machen. Das erleichtert später den Zusammenbau. Die richtige Führung der Leitungen ist wichtig, damit diese durch die Vibration des Motors keinen Schaden erleiden.

Entfernen Sie nun alle Stecker unter Zuhilfenahme eines Schraubendrehers. Achten Sie darauf, den Mechanismus richtig zu betätigen, damit die Stecker nach dem Reinigen des Ventils wieder greifen. Legen Sie die Leitungen zur Seite, damit diese keinen Schaden nehmen.

Lösen Sie als nächstes den großen Ladedruckschlauch und das Abgasrohr. Beide sind mit dem AGR-Ventil verschraubt. Suchen Sie die Schrauben und merken Sie sich die Positionen der Kleinteile, damit sich später alles am richtigen Platz befindet.

3. AGR-Ventil lösen und überprüfen

Das Abgasrückführungsventil selbst ist mit mehreren Schrauben befestigt, die häufig schwer erreichbar sind. Lösen Sie alle Schrauben, um das AGR-Ventil herauszunehmen. Passen Sie bei der Demontage auf, dass keine Kleinteile in offene Schläuche oder Rohre fallen.

Führen Sie nun eine kurze Sichtprüfung aus. Suchen Sie Risse oder Bruchstellen im Material. Legen Sie ein besonderes Augenmerk auf die Bereiche, wo Rohre und Leitungen angeschlossen werden. Mit dieser Prüfung stellen Sie sicher, dass sich das Reinigen des AGR-Ventils lohnt.

Ist das Ventil kaputt, dann hilft das Reinigen nichts. In diesem Fall müssten Sie das komplette AGR-Ventil wechseln.

4. Dichtung erneuern

Nehmen Sie nun den Dichtungssatz zur Hand. Durch die hohen Temperaturen und den Druck verhärten die Dichtungen. Einmal abgebaut, schließen sie nicht mehr sauber ab. Fremdluft im Ansaugtrakt oder Abgase im Motorraum wären die Folge. Erneuern Sie alle Dichtungen, damit die Anschlüsse nach dem Reinigen wieder dicht sind. Stellen Sie dabei sicher, dass alle Reste der alten Dichtung beseitigt sind.

5. AGR-Ventil und Leitungen reinigen

Sie sollten nicht am AGR-Ventil die deutlich sichtbaren Rückstände sehen, welche das Ventil blockieren. Diese Rückstände und Verkokungen sind sehr fest und lassen sich nicht einfach mit einem Tuch abwischen. Grobe Klumpen können Sie mit einem Schraubendreher abkratzen.

Nutzen Sie dann einen speziellen AGR-Ventil Reiniger oder Reinigungsmittel für Brandrückstände. Ein Backofenspray oder Holzofenreiniger erfüllen den Zweck auch. Sprühen Sie die Rückstände ein, lassen Sie das Mittel kurz einwirken und beseitigen Sie den Schmutz dann mit einer harten Bürste. Wiederholen Sie den Vorgang, bis der Großteil des Schmutzes beseitigt ist.

Beseitigen Sie auch Rußrückstände an den Leitungen, speziell dem Abgasrohr. Diese entfernen Sie auf die gleiche Art wie beim AGR-Ventil selber, jedoch etwas vorsichtiger, da die Schläuche nicht so widerstandsfähig sind. Achten Sie darauf, dass keine Reinigungsmittel im Ansaugtrakt verbleiben, da diese sonst beim Starten des Autos eingesaugt und unkontrolliert verbrannt werden.

6. Zusammenbau

Setzen Sie das AGR-Ventil wieder ein und befestigen Sie es mit den Schrauben im Auto. Halten Sie dabei das vorgegebene Drehmoment ein.

Anschließend können Sie die anderen Teile wie Schläuche und Leitungen wieder anschließen. Nutzen Sie die Fotos oder Notizen als Anhaltspunkt, um den Ausgangszustand wiederherzustellen. Meist ist es einfacher, von unten nach oben zu arbeiten, da die unteren Teile schwerer zu erreichen sind. Achten Sie bei allen Leitungen darauf, dass Sie diese über die vorgesehenen Schellen und Wege führen.

7. Testlauf

Sobald alle Teile wieder an ihrem Platz und fest eingebaut sind, ist das Reinigen abgeschlossen. Starten Sie das Auto und prüfen Sie, ob die Symptome behoben sind. Führen Sie eine kurze Testfahrt durch und achten Sie bei Teillast und Volllast auf das Ansprechverhalten des Motors. Spätestens auf Betriebstemperatur sollten Auto und Motor wieder das gewünschte Verhalten zeigen.

Alles in Ordnung? Dann brachte das Reinigen den gewünschten Erfolg und Sie können Ihr AGR-Ventil noch eine Weile fahren!

Kosten und Aufwand – AGR-Ventil selber reinigen

Mithilfe unseres Ratgebers können Sie Ihr AGR-Ventil selber reinigen. Folgen Sie der Schritt für Schritt Anleitung und stellen Sie die Funktion des Ventils wieder her. Dabei entstehen nur geringe Kosten für die Dichtung und Reinigungsmittel im Bereich von 10 bis 30 €. Der Zeitaufwand beträgt je nach Auto etwa zwei bis vier Stunden.

AGR-Ventil in der Werkstatt reinigen lassen

Sie können das Reinigen des verstopften AGR-Ventils natürlich auch professionell in einer Fachwerkstatt durchführen lassen. Dies kostet im Schnitt 100 bis 250 €, je nach Schwere der Rußablagerungen.

Das Problem ist, dass nicht jede Werkstatt den Service der Reinigung anbietet, sondern viele Autowerkstätten nur den Wechsel vornehmen. Durchschnittlich fallen für einen Wechsel zwischen 200 und 800 € an, je nach Auto und Modell.

Haftungsausschluss

Unsere Ratgeber enthalten viele fachliche Informationen rund um das KFZ, die wir sorgfältig zusammengetragen haben. Diese Artikel können allerdings die Fachkenntnis eines Spezialisten nicht ersetzen. Autoteile-Markt haftet daher nicht für Schäden und Verletzungen, die durch unsachgemäß ausgeführte Reparaturen entstehen. Wir empfehlen grundsätzlich, Arbeiten am KFZ nur von einem Fachmann ausführen zu lassen.

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